Weltfrauentag – ein schwules Dankeschön via Ottawa

Kanada

ARBEIT MACHT FRAU

The Famous Five – ohne "Weiber" keine Freiheit: Als ich im Sommer 2013 den kanadischen Bundesstaat Ontario besuche, steh ich in Ottawa vor einem Denkmal. Die Bronze-Statue markiert einen Meilenstein der Bürgerrechtsbewegung im größten Land des britischen Commonwealth of Nations. Im kommenden Sommer findet in Toronto der World Pride statt. Ein schwules Dankeschön zum Weltfrauentag.Text/ Fotos: Robert Niedermeier

In Ottawa, Kanadas moderne Hauptstadt wirkt das prachtvolle, im neogotischen Baustil protzende Parlament als Publikumsmagnet.

Parliament Hill in Ottawa

Fünf Finger zählt eine Hand, man kann sie reichen oder zur Faust ballen. Fünf Frauen haben vor 85 Jahren in Kanada ihre Stimme erhoben fürs Menschenrecht. Es bleibt noch alle Hände voll zu tun. Rund um den Erdball werden Frauen und schwule Männer diskriminiert und malträtiert. Ein Dank an die Frauenbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts ist von schwuler Männerseite dennoch angebracht. Deshalb möchte ich am internationalen Weltfrauentag an meinen Besuch in Kanadas moderner Hauptstadt Ottawa erinnern. Im wohlhabenden Bundesstaat Ontario, am gleichnamigen Ottawa-Fluss gelegen, wirkt besonders das prachtvoll im neogotischen Baustil protzende Parlament als touristischer Publikumsmagnet. Zurecht: Auf einem Hügel über der Stadt gelegen, ist die pitoreske Schönheit des Parlaments- und Regierungssitz bereits von der sprudelnden Schifffahrtsschleuse aus gut auszumachen. Dass das schlossartige Mauerwerk heraussticht mag an der Tristesse liegen, die Ottawas sonstige Architektur ausstrahlt. Doch wer für die Bürgerrechtsgeschichte Interesse aufbringt, kann umso ehrfurchtsvoller zu den Bronzestatuen am Parliament Hills emporblicken. Mit der Gruppe aus sitzenden und stehenden Frauen, wurde dem Erfolg der „Famous Five“ in Bronze gegossen ein Denkmal gesetzt. Fünf Frauen haben 1929 durchgesetzt, dass Frauen endlich das Personenstandrecht zugestanden worden ist. “Women are Persons”, das war wie auch anderswo auf der Welt bis ins 20. Jahrhundert hinein keine Selbstverständlichkeit. Frauen galten entweder als Eigentum des Vaters, des Ehemannes, des Gutsherren, des männlichen Haushaltvorstandes, der Kirche oder eben als Freiwild. So steht der 18. Oktober 1929 als ein historischer Meilenstein der kanadischen Menschenrechtsbewegung. Das Datum markiert eine Zäsur, die schlussendlich auch den kanadischen Lesben, Schwulen und  Trans*-Personen ein freies, selbstbestimmtes Leben in Würde ermöglicht hat. Die LSBTT*IQA-Community feiert vom 20. bis 29. Juni in Ontarios Metropole Toronto den World Pride 2014. „We march for those who cant“, ist der Leitspruch des offiziellen Mottos „Our Pride is everywhere“. Danke an Emily Murphy, Irene Marryat Parlby, Nellie Mooney McClung, Louise Crummy McKinney und Henrietta Muir Edwards für euren Stolz. Ihr fünf starken Personen gehört zu den Menschen, denen schwule Männer weltweit ihre eigene Freiheit zu verdanken haben.

Women are persons, Bild: Robert Niedermeier

Women are persons, Bild: Robert Niedermeier

Über die Geschichte der Schwulen in Ottawa weiß Daniel Drolet ( www.eclaircommunications.com) auf seinen Gruppenspaziergängen zu erzählen. Der Aktivist und Journalist hat auch Ausgehtipps fürs kleine Gayvillage „Rue Bank“ parat. Die Bärenkneipe „Centretownpub“ und das gayfriendly Restaurant „Union 613“ auf der backsteingeprägten Somerset Street sind ebenfalls einen Besuch wert. Hier müssen Schwule sich nicht verstecken. Wie fast überall haben Schwule zuerst ihre Nischen verteidigt, sind dann mit Hilfe von Frauen und Trans* rausgekommen aus den “Schränken” und aus dem Untergrund emporgestiegen. Sind zeigen sich in der Mitte der Gesellschaft, sind sichtbar geworden und erkämpfen sich seitdem tapfer ihre Rechte. In Afrika, Asíen, auch in Teilen von Amerika und Europa zahlen Lesben, Transgender Schwule und Bisexuelle noch immer mit Ächtung, Bestrafung und sogar mit dem Tod einen hohen Preis für ihr Aufbegehren, oft nur dafür, dass sie am Leben sind. Wir haben es überlebt. Trotz aller Repressionen und Anfeindungen.

The Village. Gy-Quartier Rue Bank in Ottawa

The Village. Gy-Quartier Rue Bank in Ottawa

Die Frauen sind die wichtigsten Verbündeten der Schwulen im Ringen ums Menschenrecht. Ohne den Mut der fünf kanadischen Frauen wäre – wie auch in anderen Städten und Staaten – die Anerkennung von Lebensweisen jenseits der über nahezu 2000 Jahre hinweg von christlichen, muslimischen und jüdischen Männern dominierten Wertvorstellungen nicht möglich gewesen. Danke schön an die Frauen überall auf der Welt, dass sie sich emanzipiert haben vom Patriarch. Ohne euren Mut, Ausdauer und Kraft steckte man uns Schwule nach wie vor ins Gefängnis und Schlimmeres. Es gibt noch viel zu tun – weltweit. Ohne euch Frauen wäre der Kampf aussichtslos. Dafür reichen Schwule euch die Hand zum Dank. Wir zählen auf euch. Die Arbeit geht weiter. Danke schön.

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Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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