Die Akte BER: Korruption, Kompetenz und Kumpanei

Berlin

Krankheit Korruption

Meine Fresse, was geht da ab? Wer versucht aufzubröseln, was sich im BER-Dickicht aus Verschleierungen, Hochstapeleien und Bestechungsskandalen verbirgt, kann nur zu einer Diagnose gelangen: "Italienische Verhältnisse" (Helmut Kohl). Eine Mini-Chronik und ein Kurz-Kommentar. Text: Robert Niedermeier, Fotos: Richard Niedermeier

Licht am Ende des Tunnels? Fehlanzeige.

Berliner S-Bahn, auch nicht immer vertrauenswürdig.

Berliner S-Bahn, auch nicht immer vertrauenswürdig.

Der Skandal geht weiter. Akten im Müll, Hochstapler am Werke. Die Eröffnung des neuen Berliner Flughafens (BER) rückt in weite Ferne. Es ist die Never Ending Story eines mutmaßlichen Milliardengrabs. Bereits seit 2008 soll der neue Berliner Flughafen (BER) eigentlich eröffnet sein. Die Einladungen für die Eröffnungsfeier wurden schließlich für den 3. Juni 2012 versendet. Bürgermeister und Ministerpräsidenten wurden seitdem verschlissen. Eine kleine Chronik und ein kurzer Kommentar zur Akte BER.

BER-Details: Akten im Müllcontainer

Montagabend, 23.Juni 2014 via Abendschau: “Eine unglaubliche Nachricht hat uns heute Nachmittag aus Lichtenberg erreicht: Dort sind zwei Müllcontainer voller #‎BER-Akten gefunden worden, die umgehend von der Polizei gesichert wurden. Mehr dazu gleich in unserer Sendung!”

Malen nach Zahlen, oder: Die Story vom Hochstapler

Dienstagvormittag, 11.00 Uhr via Stern: Die Berliner Flughafengesellschaft ist bei der Planung ihrer funktionsuntüchtigen Entrauchungsanlage offenbar einem möglichen Hochstapler aufgesessen. Wie der stern in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, ist der im Frühjahr öffentlichkeitswirksam von Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn geschasste Alfredo di Mauro, der ehemalige Planer der sogenannten Anlage 14, kein Ingenieur, wie bisher in Berlin allgemein angenommen. Vielmehr bestätigte di Mauros Anwalt dem stern nach mehrmaligen Nachfragen, dass sein Mandant lediglich über einen Gesellenbrief als technischer Zeichner verfüge.”

Mein Kommentar: Kohls “italienische Verhältnisse” an der Spree

Hinter der Fassade aus technischem Kauderwelsch, politischen Ränkespielen und euphemistischem Wording eines “Krisenmanagers” wie Mehdorn entpuppt sich eine Krankheit: Korruption. Anders ist das Sammelsurium der Symptome wie wahnwitzige Pannen, enthüllte Kumpaneien und Kompetenz-Vakanz nicht länger zu erklären. Verdachtsmomente erhärten sich: Personen sind der Korruption überführt. Doch dabei handelt es sich meiner Meinung nach nur um Bauernopfer. “Der Fisch stinkt vom Kopf…”, es müffelt gewaltig, ein ganz besonderer Duft hängt in der Berliner Luft. Korruption hebelt zum Wohle der Kumpanei alle Kompetenzen aus. Das sind “italienische Verhältnisse” (Helmut Kohl, Ex-Kanzler) an der Spree, jetzt fehlen nur noch die milden Winter. Gute Pizza gibt’s bereits in der Stadt. Frage bleibt: Welches deutsche Wort kann mit dem griffigen Begriff Mafia mithalten? Die mafiösen Netzwerke zu durchlöchern, ist indes machbar: Transparenz und demokratische Kontrolle helfen dabei. Der Saustall gehört mit Mitteln den Rechtsstaates ausgemistet. Was bislang geschieht, ist bloß inszeniertes Theater. Die Spitze des Eisberges haben die vermeintlichen Top-Manager gekappt, was an krimineller Energie sichtbar geworden ist, unter der Oberfläche verborgen. Reine Makulatur. Es ist Zeit, neue Saiten aufzuziehen.

Terminal im Bau im April 2012, Foto: Richard Niedermeier

Terminal im Bau im April 2012

Update: 30.07.2019 “Wir haben Jahre gebraucht die Baukatastrophe BER zu beheben“, sagt neuer Bauleiter im Bericht von Tagesschau zum Richtfest des aufgrund Erweiterungsbedarfs noch vor endgültiger BER-Eröffnung notwendig gewordenen zweiten Abfertigungsterminals am baldigen neuen Berliner “Willy Brandt”-Flughafens.

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Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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2 Responses to Die Akte BER: Korruption, Kompetenz und Kumpanei

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