Flüchtlingskritik: Jens Spahn, Tom Schreiber sind nicht schwul

Meinung

Maulhelden zum Fremdschämen

Zum Glück sind Typen wie Jens Spahn (CDU), Tom Schreiber (SPD) und Mirko Welsch (AfD) gar nicht schwul, sonst müsste ich mich als Schwuler abgrundtief schämen, diese schwadronierenden Rechtspopulisten sind lediglich homophile Marktschreier

Während der Nazi-Mob sich im Heraufbeschwören eines Bürgerkrieges übt, Brandanschläge auf Notunterkünfte zum grausamen Alltag gehören und völkisch-nationalistische Faschisten ihre Strukturen wie die Metastasen eines Krebsgeschwüres bis weit in die Mitte der Gesellschaft ausweiten, suchen homophile Protagonisten des Politbetriebes in dieser verdorbenen Schlacht am deutsch-deutschen Debattensalat-Büfett ihr Heil im rechtspopulistischen Schwadronieren.

Die Stimmung ist gekippt: Jens Spahn (CDU) salabadert  von “importierte Homophobie” und fordert zur Bekämpfung ein grundgesetzwidriges Burka-Verbot. Auch Tom Schreiber (SPD) gibt mit einer billigen Sarrazin-Travestie-Nummer seinen Senf dazu, will “kriminellen Araber-Clans” die Kinder wegnehmen und fantasiert auf Facebook in kruden Formulierungen über Flüchtlinge, die “Salafisten anwerben”. Und der AfD-Facebook-Troll Mirko Welsch fantasiert über die “Islamisierung” und träumt von einem Erwachen der “guten alten deutschen Biedermeier-Zeit.” Das Erstarken der brandgefährlichen Neo-Nazi-Szene flankieren diese homophilen Politiker mit im Kern fremdenfeindlicher Primitiv-Polemik und der Herabwürdigung Andersdenkender.

Die neue Wunderwaffe gegen kriminelle “Araber-Clans” ist das Jugendamt, lautet die neueste Sippenhaft-Botschaft zum insbesondere am rechten Rand recht beliebten Thema “Integrationsunwillige Muslime” (Lutz Bachmann, Pegida). Diesmal präsentiert vom ambitionierten SPD-Wichtigtuer und Protest-Kritiker Tom Schreiber aus Berlin-Köpenick. Um der Zerschlagung krimineller Strukturen willen, schlägt der Politiker der Presse vor, solle man Angehörigen mutmaßlich krimineller Berlinerinnen arabischer Herkunft “die Kinder wegnehmen.”

Die thematische Vermengung von Kriminalitätsbekämpfung und  “Integrationsproblematik” ist keine Schreiber-Erfindung und passt zum neuen, rechtsentrückten Zeitgeist. Bei einer durchaus bildungsnahen Berliner Tageszeitung ist es der zeitungseigene Polizeireporter, der preußisch akkurat über Probleme von Roma im Mietshaus berichten darf. Die NPD treibt es seit Jahren mit dem Gespenst der „Ausländerkriminalität“ von einem Höhepunkt zur nächsten brandbeschleunigten Entgleisung. Auch Schreiber meint, man müsse manche eben anders behandeln, weil sie “anders“ seien, nämlich Fremde, eben Araber-Familien.

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“, steht im deutschen Grundgesetz. Das gilt eigentlich auch für den Umgang der Justiz mit Kriminellen. Logisch. Doch mit seiner “Wer nicht hören will, (muss fühlen)“-Rhetorik redet Schreiber der Extra-Portion an Bestrafung von „Nichtdeutschen“ das Wort. Schreiber wirbt mit seiner eigens Arabern vorbehaltenden Straf-Offensive offen dafür, Menschen ‘nichtdeutscher’ Herkunft mit zweierlei Maß zu behandeln, er will kriminelle „Ausländer“ noch etwas härter bestraft wissen als „deutsche“ Kriminelle. Das Kindeswohl schiebt Schreiber dabei nur vor. Es soll – ganz im Sinne begeistert johlender Boulevard-Online-User – speziell Araber-Clans einfach nur dort besonders hart treffen, “wo es weh tut”. Härte zeigen: Schreiber instrumentalisiert in seinem Flirt mit Rechts unschuldige Kinder, um Punkte an der durch die „Flüchtlingskrise“ ohnehin mit rassistischen Ressentiments aufgeheizten Hardliner-Front zu sammeln. Horst Seehofers (CSU) braune “Notwehr“-Parole lässt stramm grüßen.

Kritiker seiner populistischen Primitiv-Polemik denunziert der Berliner SPD-Nachwuchs-Sarrazin Tom Schreiber als dumm. Das macht seinen Rechtspopulismus nicht schlauer, aber Hauptsache die “Ausländerkriminalitäts”-Neo-Nazis klatschen Beifall, wenn der homophile SPD-Rechtsaußen Tom Schreiber “Arabern” die Kinder wegnehmen will, um organisiertes Verbrechen zu bekämpfen. “Es müssen dicke Bretter gebohrt werden”, posaunt Schreiber auf Facebook, “um die Krake von Rockern‬ und‪ Clans‬ zu bekämpfen, die stetig zur Erosion‬ des Rechtsstaates‬ beiträgt.” Dabei weiß er es sicherlich besser, wer tatsächlich zur Ausdünnung des Rechtsstaates beiträgt: Die angesagte staatliche Austeritätspolitik zwingt gerade in der Jugendhilfe und Ausstattung der Polizei zum Sparen. Zudem ist die kulturchauvinistische Verkürzung der wichtigen Frage, wie man Kinder und Jugendliche vor dem schlechten Einfluss der eigenen Eltern bewahrt schlicht rechtspopulistisch. Meine Frage, wer nimmt eigentlich den Neo-Nazis die Kinder weg? Zum Video über Nazi-Strukturen in der BRD

Fortsetzung folgt: Warum Schwulsein mehr bedeutet als das Schlucken von populistischen Parolen und warum es wichtig für die Bewahrung der Demokratie ist, dass linksliberale Bürger, der neuen rechtspopulistischen Doppelstrategie nicht auf dem schwarzbraunen Leim gehen.

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Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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One Response to Flüchtlingskritik: Jens Spahn, Tom Schreiber sind nicht schwul

  1. Robert Niedermeier says:

    Eine gesellschaftliche Gruppe instrumentalisieren, um eine andere zu diffamieren. Das passiere, wenn Menschen, denen Schwule eigentlich egal sind, auf einmal Flüchtlinge fragen, wie sie es mit den Rechten Homosexueller halten, findet Ofer Waldman. Dann werde die Homo-Ehe auf einmal zum Maßstab für deutsche Werte. http://www.deutschlandradiokultur.de/fluechtlingsdebatte-wie-menschen-gegeneinander-ausgespielt.1005.de.html?dram%3Aarticle_id=334289

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