Genussoffensive am Kronplatz gegen Klimawandel

Italien

Zum Dahinschmelzen lecker

Genuss-Offensive am Ski-Berg: Mit Kulinarik-Angeboten will der Kronplatz dem Klima-Wandel trotzen. Im letzten Jahr gab es reichlich Schnee, trotzdem legt die Wintersportregion großen Wert auf seine Schätze aus der KücheText/ Fotos: Robert Niedermeier

Hell leuchten die dicken Schneeflocken im Licht der Dorf-Laternen. Still ist es am frühen Morgen im St.Vigil.

Still ist es am frühen Morgen im Dorf von St.Vigil.

Hell leuchten die dicken Schneeflocken im Licht der Dorf-Laternen. Still ist es am frühen Morgen in St.Vigil. Der Hausberg Kronplatz thront über allem, Nebelschwaden ummanteln sein Kleid aus schneebedeckten Wäldern. Ein echtes Wintermärchen. Doch Hoteldirektor Werner Call weiß zu genau, dass dieses Idyll in Gefahr schwebt. Der Klimawandel verschont auch die Dolomiten nicht.

Häufiger blicken Hotelgäste auf braune Berghänge

Familie mit Vater und den beiden Söhnen beim Skifahren am Kronplatz

Skifahren ist oberhalb von 1300 Metern auch in Zukunft möglich

Die Erderwärmung hat das Südtiroler Pustertal längst erreicht. Am Kronplatz ist der schleichende Wandel ebenfalls zu spüren: „So viel Schnee hatten wir lange nicht mehr”, erzählt Call. Er und seine Familie verlassen sich schon längst nicht mehr allein auf die sich immer seltener in voller Pracht präsentierende winterliche Traumkulisse. Immer häufiger blicken die Hotelgäste auf braune Berghänge. Lediglich die nachts künstlich beschneiten Tal-Abfahrten, die sich in schmal wirkenden Bahnen den Berg hinunter schlängeln, ließen in vielen der vergangenen Winter den selbigen gerade noch erahnen. „Das schaut dann schon aus, als lasse der Kronplatz schlapp die Zunge raushängen. Ein trauriges Bild”, beschreibt ein Stammgast aus Stuttgart die schneearme Realität vieler vergangener Jahre.

Ein Mix aus Kunst- und Naturschnee für ideale Verhältnisse

Skilehrer Johann fährt ab St.Vigil die Gondel zum Kronplatz hoch

Skilehrer Johann blickt optimistisch in die Zukunft

Letzten Winter versinkt das Dorf am Fuße des Kronplatzes regelrecht im Schnee. Bereits Anfang Dezember schneite es unentwegt, der Kälteeinbruch, der wenigeWochen später ganz Europa erfasst, sichert die Schnee-Decke komfortabel ab. „Trotzdem laufen nachts die Schnee-Kanonen”, berichtet Kronplatz-Skiführer Johann in der Seilbahngondel, unweit des oberhalb von St. Vigil gelegenen Furkel-Passes: „Die Schneekanonen werden auch bei guten Schneelagen eingesetzt, weil ein Mix aus Kunst- und Naturschnee ideale Verhältnisse schafft.” Dieses Jahr sind die Bedingungen mehr als optimal. Selbst die Tal-Abfahren müssen nicht auf weißen Trassen zwischen dem grünbraunen Baumbewuchs bewältigt werden. Doch das ist die berühmte Ausnahme, welche die Regel lediglich bestätigt. Und diese Regel der Klimaforscher besagt, dass die sichere Schneefallgrenze kontinuierlich den Ski-Berg nach oben in die Höhe steigen wird. Für den Kronplatz mit seinem 105 km umfassenden, hoch gelegenen Pistennetz, ist das kein dramatisches Ereignis mit akuten Folgen, denn 2275 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, bietet das Plateau genügend Schneesicherheit. Beim Blick in die tiefer als 1300 Meter hoch gelegenen Tälern, wird die Optik jedoch des Öfteren getrübt. Kein Schnee zu erblicken – und das immer häufiger.

Kutsche mit Hydraulik-Technik

Pause mit Kutscher Andrea und guten Obstler

Pause mit Kutscher Andrea und gutem Obstler

Ross-Kutscher Andrea hat bereits aufgerüstet. Sein Noriker-Gespann, mit den robusten schwarzen Kaltblut-Hengsten, zieht die Touristen zwar noch immer mit einer Schlitten-Droschke aus dem Dorf hinaus, hinein in die Täler der Umgebung, aber ein Griff am Hebel des Kutschbocks genügt und die Hydraulik-Technik sorgt für die prompte Bereifung der Kufen.  „Wir passen uns an”, gibt der Kutscher beim feucht-fröhlichem Zwischenstopp in der traumhaft schönen Schneelandschaft des Rautals zu bedenken.

Die Speerspitze der Genuss-Offensive kocht

Herzlalm Hütte: Pasta-Variationen, sorgen für gute Laune

Herzlalm Hütte: Pasta-Variationen, sorgen für gute Laune

Viel weitreichender ist der Veränderungsprozess in der heimischen Gastronomie, mit der sich die Kronplatz-Region den Folgen des Klimawandels widersetzen will. Spitzenköche wie Karl Baumgartner vom Edel-Restaurant Schöneck im Kronplatz nahen Dorf Pfalzen sind plötzlich zu den Galionsfiguren der neuen Tourismus-Kampagnen aufgestiegen. Sie gelten als die Speerspitze einer Genuss-Offensive, der die Region unabhängig vom Wintersport attraktiver machen soll. In vielen Häusern nimmt die ladinische Küche einen hohen Stellenwert ein.

Skihütten mit regionalen Schmankerln

Wirtin Alma in ihrem Restaurant Fana Ladina serviert krosse Kalbskeulen

Wirtin Alma in ihrem Restaurant Fana Ladina serviert krosse Kalbskeulen

Auch oben auf dem Kronplatz-Berge entdecken die Wirte der Skihütten die originalen Rezepte der ladinischen Küche neu. Etwa die italienisch anmutenden Pasta-Variationen, die in der Herzlalm Hütte freundlich serviert werden. Hier bei der Talfahrt gen Brunneck bei Reischach, an der Nordseite des Kronplatzes gelegen, sind sie ein echter Hochgenuss zu fairen Preisen. Oder der sensationelle Apfel-Scheiterhaufen, der in der seit 1680 bestehenden Hütte der Obereggeralm liebevoll mit Kirsch-Soße und feiner Zimtnote kredenzt wird: Ein wahres Geschmackserlebnis. Wer weiter unten im Tal in St. Vigil den Genüssen der heimischen Küche in bäuerlich-romantischer Atmosphäre anheim fallen möchte, wird sich bei Wirtin Alma in ihrem Restaurant Fana Ladina, wieim siebten Himmel fühlen dürfen. Krosse Kalbskeulen, ladinische Backwaren, gefüllt mit deftig schmackhaften Fleischsoßen, lockere Nockerln aus Bio-Kartoffeln und aromatischen Bergkäse-Sorten, sowie himmlisch gut mundenden Dessert-Variationen sind hier der Hit: „Das ist so lecker”, verrät der Stuttgarter Stammgast, „da vergessen sie die Klima-Katastrophe.”

Skifahren im Kronplatz-Skigebiet

Skifahren im Kronplatz-Skigebiet

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Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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