Homosexualität: Papst oder Pierre – wer ist liberaler?

Weltreligionen

Exegese bis zur Ekstase

Welche Religion ist die gefährlichste für schwule Männer? Selbsternannte Experten haben die Wahl getroffen. Das größte Risiko ginge vom Islam aus. Vergleicht man jedoch die Ansichten eines weltweit bekannten Christenführers wie den katholischen Papst Franziskus mit der Einstellung zur Homosexualität von Pierre Vogel stürzt das monokausale Argumentationsgebilde der sogenannten Islam-Kritiker in sich zusammen. Doch spricht die brutale Praxis nicht eine komplett andere Sprache? Text: Robert Niedermeier/ Foto: Wikipedia/Collage

Die Angst der Schwulen vor religiös motivierter Intoleranz und Gewalt ist berechtigt. Die Bedrohung ist real. Religionskritik ist deshalb legitim, das Hinterfragen religiöser Dogmen ist zum Schutz der Freiheit vor reaktionären Kräften sogar Bürgerpflicht. Seriöse Religionskritik unterscheidet sich allerdings gravierend von der sogenannten Islamkritik. Ersteres dient der Demokratie, letzteres birgt das Potential dem Miteinander in einer pluralistisch verfassten Gesellschaft zu schaden. Xenophobie, Rassismus und Chauvinismus brechen sich Bahn. „Die Islamisierung des Abendlandes” wird als Teufel an die Wand gemalt, ein schwarzbrauner Beelzebub schickt sich im Namen der  sogenannten Islamkritik  an, den „Teufel” Islam durch das Befeuern von fremdenfeindlichen Ressentiments aus Europa zu vertreiben. Islamisierung ist das neue Synonym für Überfremdung:  ‘Der Islam gehört nicht zu Deutschland’, donnert es immer lauter. Eine gezielte Vorurteilsbereitschaft stützt diesen Trend – auch innerhalb der Schwulenszene.

(Post in Bearbeitung, mehr zur Islamkritk hier)

Rassismus: “Südländisches Aussehen” und “homosexuelle Deutsche”?

Ausschnitt aus dem Online-mittlerweile "korrigiertem" Bericht

Ausschnitt aus dem Online-mittlerweile “korrigiertem” Bericht

Angst vor Übergriffen und Berichte über tatsächliche Vorfälle von homophobisch motivierter Gewalt verschmelzen allzuoft mit offen vorgetragenem Rassismus. Ein aktuelles Beispiel scheint Rassisten zu bestätigen. Ein gewaltbereiter Homophobiker, der sich offenbar als Mitglied einer Gang geriert, attackierte am Wochenende einen schwulen Mann in einem Hamburger Edel-Fitnessstudio und beleidigte ihn und seinem helfend einschreitenden Freund aufs Übelste: „Schade, dass man sich in Hamburg als homosexueller Deutscher seines Lebens nur noch eingeschränkt sicher sein kann!”, lautet die empörte Reaktion eines der Opfer. Aus einer vorgeblich antirassistischen Haltung heraus fühlt sich die Redaktion von Blu.fm (Hinnerk u.a.) genötigt, in ihrer Berichterstattung die Personenbeschreibung des Täters („südländischer Muskelprotz”) präventiv auszuklammern. „Wir haben ein unterstelltes Merkmal des Täters aus der Darstellung der Opfer entfernt, da die (mutmaßlich) darauf folgenden Kommentare nicht zur Sache beitragen. Homophob motivierte Gewalt ist in keiner Weise hinzunehmen”, schrieb Online-Redakteur Christian Knuth als Anmerkung der Redaktion in Absprache mit den Opfern. Das mag nun ein gefundenes Fressen für Rassisten und all jene Elemente hergeben, die stets behaupten, Gewalt gegen Schwule ginge vornehmlich von „Migranten” oder „Muslimen” aus, indes die deutsche „Lügenpresse” versuche, diese „Tatsache” in ihrer Berichterstattung zu unterschlagen. Doch nicht die Unterschlagung von Tatsachen ist das Motiv. Redakteur Knuth möchte lediglich rassistischen Kommentaren präventiv entgegen treten. Doch ebenso wie die Herkunft und die Ethnie des Täters eine untergeordnete Rolle spielt, ist es gleichfalls unverantwortlich den nationalistisch, chauvinistischen Ausspruch des Opfers zu reproduzieren. Schließlich wurde in Hamburg niemand wegen seiner deutschen Nationalität angegriffen, sondern aufgrund der aggressiv zutage beförderten Schwulenfeindlichkeit des mutmaßlich schwer an Homophobie erkrankten Täters. Der aggressive Muskelprotz warf dem Attackierten vor, ihn „doof anzuglotzen”, packte ihn daraufhin an die Gurgel und schrie: „Dumme schwule Sau, … Hurensohn, Schwuchtel…”

Die brisante Frage: Sind Muslime per se homofeindlicher als andere?

Wer ist liberaler, wenn es schwulen Sex geht. Papst Franziskus oder Pierre Vogel

Wer ist lockerer, wenn es um schwulen Sex geht, Papst Franziskus oder Pierre Vogel?

Das südländische Aussehen oder gar die – mutmaßlich muslimische – religiöse Prägung des Angreifers spielen für seine hysterisch homophob vorgetragene und brutal ausgeführte Attacke so gut wie keine, aber eben doch eine sekundäre Rolle. Gerne springen Rassisten deshalb als Trittbrettfahrer der Angst auf dem antiislamischen Zug auf, umgekehrt bedienen sich die sogenannten Islamkritiker vermehrt der Strickmuster fremdenfeindlicher Scharfmacher. Vorangestellt sei: Die soziale Situation von Menschen und das politische Umfeld in dem Menschen leben, spielen eine tragende Rolle im Miteinander. Nicht die Ethnie von Tätern oder die Nationalität von Opfern. Mag sein, dass der Täter selbst zum Opfer wurde, aufgrund seines “südländischen” Aussehens ausgegrenzt, Gewalterfahrungen sammelte…  Die Blu-Redaktion entschied jedenfalls zurecht einen chauvinistischen Ausspruch des Opfers im Sinne einer objektiven Berichterstattung auf das Nötigste zu reduzieren. Anstelle von „homosexueller Deutscher” liest man im Bericht nun:  „Schade, dass man sich in Hamburg als Homosexueller seines Lebens nur noch eingeschränkt sicher sein kann!” Dennoch bleiben Mutmaßungen über die mögliche religiöse Einstellung oder Prägung des „südländischen Muskelprotzes” als Vorwurf an alle in Deutschland lebenden Moslems im aufgeheizten Raum als angebräunte Schmutzschicht haften. Die brisante Frage lautet: Sind muslimische, sprich: arabisch- oder türkischstämmige Männer per se homofeindlicher gesinnt als christliche oder jüdische, respektive weiße Europäer?

Schwanzvergleich: Welche der drei Buchreligionen ist für Schwule geiler?

Schwuler Christ: Erst das Wohl der Kirche, dann die Schwulenrechte

Schwuler Christ: Erst das Wohl der Kirche, dann die Schwulenrechte

Die klare Antwort ist ein Nein. Bereits die Frage ist purer Rassismus. Checken wir also am Beispiel eines „biodeutschen” Moslems, ob der Islam an sich, der seine meisten Anhänger außerhalb Europas fand, tatsächlich die gefährlichste aller Religionen für deutsche Schwule ist. Der über bundesdeutsche Grenzen hinaus bekannte, „Salafisten-Führer” ist so etwas wie ein Star der ultraislamischen Szene. Galt dem Boulevard im Gegensatz zum Karnickel-Papst lange als Staatsfeind Nummer Eins, doch scheint dem Kirchenfürst gleichzeitig in Sachen Homo-Sex und Demokratie-Verständnis sogar eine Nasenlänge voraus. Extrem drauf sind beide Protagonisten der radikalen Theo-Szene. Der Papst und Pierre, doch immerhin sucht der Konvertit Vogel den Dialog, mahnt zur Vernunft: „Selbst, wenn man zwei Männer zusammen im Bett sieht, haben wir kein Recht, das anzuklagen”, sagt Vogel zum praktischen Umgang mit Homosexuellen und beruft sich mit dieser bemerkenswerten Aussage auf den Koran. Papst Franziskus indes schürt Ängste, spaltet und würdigt mit seiner Ablehnung der ‘Homoehe’ eine komplette Menschengruppe herab. „Die Neudefinition der Ehe zerstört die Familie…”, ist eine aktuelle Attacke des Kirchenführers, die er in Manila seinen katholischen Fans zuruft. Kommen wir  zu einem von vielen Schwulen und ihren Alliierten gefeierten Satz vom Papa Franz: „Wer bin ich, Homosexuelle zu (vierteilen) verurteilen”, für diesen angeblich schwulenfreundlichen Ausspruch wurde Papst Franziskus von der amerikanischen Schwulenzeitschrift ‘The Advocate’ zum ‘Mann des Jahres’ gekürt. Das ist an Zynismus auf Seiten des Pontifex und an Leichtgläubigkeit sowie Naivität seitens neo-konservativer Homophilen-Zirkeln kaum zu überbieten. Der Papst verneinte lediglich selbst Gott zu sein, er überlässt es deshalb der Dreifaltigkeit, homosexuelle Sünder in der ewigen Hölle schmoren zu lassen. Indes christliche Eltern ihre eigenen Kinder auf Geheiß Gottes und auf Grundlage des Alten und neuen Testaments (Todesstrafe für Homosexuelle Handlungen) foltern. Demgegenüber gestellt wirkt Pierre Vogel im Gegensatz zum Papst wie ein bürgerrechtlich fitter Grünen-Politiker: „Jeden Menschen als Menschen akzeptieren (…) Ich stelle mich gern schützend vor Homosexuellen”, sagt der von etablierten Medien als „Hassprediger” verfemte Ex-Preisboxer in einer Video-Predigt zu seinen Zuschauern. Klare Bekenntnisse zum deutschen Rechtsstaat inklusive. Merkmale für einen neuen Nationalsozialismus, den Hetzer wie der homophobe Broder oder ein homophiler Berger im Islam ausmachen sind das nicht. Erst recht kein Anlass – wie von beiden Apologeten der ideologischen Ausmerzung der islamischen Minderheit im Land angeregt – gemeinsame Sache mit der rassenideologisch und völkisch unterwanderten Pegida-Bewegung zu machen. Herr Broder, wer Milliarden von Menschen als manipulierbare Masse eines neuen Nazitums denunziert, unternimmt bereits den ersten Schritt zur Entmenschlichung. Islamophobie entspringt dem selben braunen Sumpf, der Homosexuelle wie Roma oder Sinti im KZ enden und dem christlich gewürzten Antisemitismus in die Shoa münden ließ.

Total bescheuert: Apologeten der Ausmerzung im Gewand der Islamkritik

Berger'sche Argumentationskultur

Berger’sche Argumentationskultur

70 Jahre nach der gescheiterten Endlösung der “Judenfrage”: Deutschland stellt sich die Islamfrage! “Das ist eine Frage, die es sich nicht zu fragen gehört”, sagt der junge Essener in der “Aktuellen Stunde” und hat absolut recht. Jeder Muslim in Deutschland gehört zu Deutschland. Ob religiös oder weniger. Das Gegenteil proklamieren Dr. David Berger und Konsorten. Hört bitte auf damit. Eure Angst ist das Problem, nicht der Islam. Europas demokratische Stärke und Werte beruhen nicht auf  Ausgrenzung, sondern Inklusion der individuellen Unterschiedlichkeit.

Der Trumpf im Ärmel der Islam-Gegner im Diskurs: Die lange Liste ‘islamischer Länder”, die die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen zwischen Männern parat halten. Was dem halbgebildeten Wikipedia-Leser bei der monokausalen Argumentation der sogenannten Islamkritiker spitzbübisch vorenthalten wird, ist ursächlich für den staatlich sanktionierten Hass auf Homos zur Verantwortung zu ziehen. Die von christlicher Sexualmoral übersäuerten Anti-Sodomie-Gesetze sind Relikte der Vergangenheit. Allerdings importiert mit Feuer und Schwert von christlichen Herren, im Zuge der imperialistischen und demokratiefeindlichen Kolonialisierung und Missionierung der Kontinente. Warum also, lieber Herr Berger mag man als Schwuler in Jamaika nur ungern Urlaub machen? Über eine Islamisierung der Karibik ist mir nichts bekannt. Sehr wohl aber, dass dort Christen im Geiste der viktorianischen Prüderie im Anachronismus verharren und die aus jüdisch-christlichen Wurzeln erwachsene Rastafari-Heilslehre den drastischen Hass auf Homos befeuert. Zudem besteht ein historischer Zusammenhang der im Geiste der protestantischen Arbeitsethik verbrochenen Versklavung, der aus Afrika exportierten Menschen. Von einem eurozentrischen, überheblich arroganten Standpunkt aus betrachtet, ist also der von Bob Marley weltweit auf Konzerten bekannt gemachte Rastafari-Kult die homofeindlichste aller Religionen. Chauvinismus aber vernebelt das Urteilsvermögen. Ein Grundproblem der sogenannten Islamkritik. Die isolierte und feindlich gesonnene Betrachtungsweise tut den Anhängern von Haile Selassie und Mohammed unrecht.

Brauchen wir ein Verbot aller Religionen? Nein, bitte Nachdenken

Blicken wir auf Staaten, in denen Rechtsstaatlichkeit und Demokratie statt Bürgerkriege oder Despoten herrschen, schlagen islamische Gelehrte durchaus zuhauf liberale, menschenfreundliche Töne an und setzen diese auch in die Tat um. Das chauvinistische Zerrbild vom reformresistenten und keinesfalls mit der westlichen Demokratie kompatiblen Islam entlarvt sich selbst als schnödes Vorurteil. Führte ich an dieser Stelle eine Liste von Schreckensmeldungen an, in der ich alle Überfälle, Hetzreden, von Christen organisierte Menschenrechtsverletzungen im Stile der ‘Lords Army’ in Afrika oder Hassverbrechen von Christen gegen Schwule in Mittel- und Südamerika dokumentierte, wäre dies kein Argument, ein Verbot des Christentums zu fordern. (Ja, das fordern Broder- und Berger-Leser in Bezug auf den Islam und berufen sich dabei auf Schmähschriften in Online- und Printmedien.) Vielmehr sind die Horror-Nachrichten Ländern wie Georgien, Kroatien oder Russland und die unmenschlichen Methoden von Folter-Ärzten in den USA, Italien und England ein Ansporn, religiöse Intoleranz und tief verwurzelter Homophobie den Garaus zu machen. Genauso wie Menschenrechtler in Deutschland mit christlichen Verbänden reden, um die rechtliche Situation von Homosexuellen und Trans*-Personen zu verbessern, ist es selbstverständlich möglich, mit Moslems Bündnisse im Kampf gegen Homophobie zu schmieden. Was schließlich auch längst vonstatten geht. Jüngstes Beispiel ist Niedersachsen. Nicht der Islam muss sich ändern, sondern die Situation in der lesbische, schwule, bi-  und heterosexuelle Muslima und Muslime leben. Die Demokratie in einem säkular verfassten Staat steht in der Verantwortung, nicht der Glaube vom Papst oder Pierre Vogel. Dass die liberalen Stimmen innerhalb der Religionsgemeinschaften eine krasse Diskrepanz zur reinen Lehre der Verdammnis aufweisen, macht liberale Christen, Juden und Moslems nicht zu Lügnern. Alle drei Religionen bieten Spielräume der Interpretation und einer ‘solidarischen Religionskritik‘. Imam oder Rabbi und schwul zu sein, schließt sich nicht aus, die Segnung eines Schwulen-Pärchens vor dem Altar ist möglich. Alle drei Beispiele sind gelebte Realität.

Allah ist nicht mächtig und Gott nicht groß, denn Jehova ist Menschenwerk

Gay Aktivist 2008 in Jaffa mit Blick auf auf die Skyline von Tel Aviv mit Strand, Foto: Robert Niedermeier

Gay Aktivist 2008 in Jaffa mit Blick auf Tel Aviv

Nicht der Glaube, wie Pfarrer es Glaubensbrüdern ins Gebetbuch schreiben, bestimmt das Miteinander. Allah ist nicht mächtig und Gott nicht groß. Der säkulare Druck der freien Gesellschaft bändigte das dogmatische Macht-Monster Religion mit der Kraft des menschlichen Willens zur Vernunft. Spiritualität ist Privatsache, muss aber nicht im Verborgenen stattfinden, darf in einer freien Gesellschaft auch sichtbar gelebt werden. Auch kirchenferne Schwule sollten das respektieren. Getreu dem Motto: „Menschenrechte sind unteilbar.” Die Vorstellung von Jehova ist Menschenwerk. Nicht mehr und nicht weniger. Dem mögen Gläubige widersprechen. Unantastbar ist die jedoch die Menschenwürde. Die Würde aller Menschen. Es ist nicht relevant, was die Bibel, der Koran oder der Tanach zur Verteufelung gleichgeschlechtlicher Erotik, Liebe und Lust zum Besten gibt.

Die Proklamation Israels ein Sieg der Menschlichkeit – nicht des Glaubens

Auch der demokratische Staat Israel ist kein Produkt des Glaubens. Der jüdische „Zionist” Theodor Herzl, der Vordenker eines modernen Judenstaates, kämpfte unter dem Banner der Freiheit, nicht im Namen der Religion für eine jüdische Nation. Eine Zuflucht und Heimat für die seit Jahrhunderten unterdrückten Juden in Europa. Getragen wurde der Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert von religiös begründeten, antijüdischen Aversionen auf Seiten des Christentums. Die Rassenlehre der deutschen Nationalsozialisten und ihrer geistigen Vorläufer machten sich die gezielte Vorurteilsbereitschaft für ihre Ideologie der Vernichtung  zunutze. Erst unter dem Eindruck des vom säkularen Nazi-Staat Deutschland verbrochenen Holocausts kam die Weltgemeinschaft zur Einsicht. Der von Nazideutschland angestrebten Endlösung der Judenfrage setzten Israelis und UN 1948 ein unverrückbares Statement der Menschlichkeit entgegen. Die Gründung Israels ist damit ein Sieg der Freiheit und Demokratie über Totalitarismus und Fanatismus.

Alle monotheistischen Fundis sind des Schwulens schlimmster Feind

Visitor/ Besucher of/ von Pride Parade Tel Aviv, Israel, Biggest/ Größter Christopher Street Day

Israelis: Hübsch und gay auf auf dem Pride in Tel Aviv

Schwule Israelis litten dennoch unter der tief verwurzelten Homofeindlichkeit. Erst in den Achtzigern Jahren wurde der religiös begründete Anti-Sodomie-Paragraf abgeschafft, seit 1993 wird die Ausgrenzung von LSBTTI durch Schutzgesetze- und Verordnungen wider religiöser Stimmungsmacher, orthodoxen Fundis und reaktionären Konservativen stetig vorangetrieben. Die Gegner der Gleichstellung argumentierten stets mit der Angst vor imaginären Bedrohungs-Szenarien: Über die Schwächung der Armee durch schwule Umtriebe und sexueller Kollaboration mit den arabischen Feinden fabulierten die einen, die anderen sahen Israel auf Dauer entvölkert, die nächsten Homophobiker prophezeiten unvermeidlichen Strafen Jahves, falls Moses Volk Homosexuelle nicht auch fürderhin als elende Sünder wahrnimmt und dementsprechend schlecht behandelte. Die Menschenrechte obsiegten dennoch im Heiligen Land übers Gottesgericht.

Der Zeigefinger in Richtung der muslimische Bevölkerung ist zynisch

Kein Gott hilft palästinensischen Schwulen. Es gibt auch kein Gay-Café im Gaza-Streifen und der Nahost-Konflikt ist, trotz der theofaschistischen Hamas, kein religiöses Problem. Der Krieg der Moslems gegen Juden ist Propaganda, Schmiermittel der jahrzehntelangen Feindschaft. Tatsächlich geht es um die Existenzsicherung Israels und darum, diese mit der Schaffung eines gleichfalls demokratischen Palästinenserstaates in Einklang zu bringen. Die ägyptischen und jordanischen Friedensverträge strafen dem ungeheuerlichen Vorwurf eine Lüge, dass die Muslime der arabischen Welt friedensunwillig seien. Religionen bieten eine Steilvorlage, Hass zu verbreiten, das ist wahr, ebenso aber für Liebe, Toleranz und Frieden. Doch inmitten der Zerstörung des Dauerkonflikts, immer aufs Neue aufflammenden Kriegen, eine säkulare Zivilgesellschaft aufzubauen, ist schier unmöglich. Der Fingerzeig auf die muslimische Bevölkerung, dem vorgegaukeltem Schutz der Hamas eine Absage zu erteilen, stattdessen Frauen- und Schwulenrechte zu stärken, ist Anbetracht des brutalen Hamas-Unterdrückungsapparats, ein geradezu zynischer Akt. Die Freiheit mit Füßen zu treten ist keine Erfindung des Islam.

Überall dasselbe edle Motiv: Der Drang nach Freiheit

Nicht anders als das Juden- und Christentum speist sich die Entstehung der dritten Buchreligion aus dem Drang nach Freiheit. Im wahrsten Sinne des Wortes ging es um Emanzipation. Die christliche Hegemonie des vormals Oströmischen Reiches, brachte der arabischen Bevölkerung keine Gerechtigkeit. Die buchstäbliche Befreiung aus der Sklaverei der byzantinischen Patrizier brachte erst der Islam. Und ein Identität stiftendes, in der gemeinsamen arabischen Sprache verfasstes Bekenntnis zu einem barmherzigen und gerechten Gott. Zuerst bei den Juden, Sklaverei in Ägypten,  dann bei den Christen, den größten Zuspruch bekam die junge Religion aus den unfreien Unterschichten im römischen Großreich, überall dasselbe edle Motiv: Der Drang nach Freiheit.

Tanach: Todesstrafe für homosexuelle Handlungen ein jüdisches Gebot

Der Mensch hat es in seiner Hand, Unrecht entgegen zu wirken. Ganz gleich, welche der drei abrahamitischen Religionen eine Region kulturell-historisch am stärksten prägten. Nicht weniger risikobehaftet als der Islam, ist auch der christliche und jüdische Glaube für Homosexuelle – und Frauen. Die von Islamfeinden genüsslich durchgekauten Koranverse finden sich – sozusagen im Original – in jüdischen Schriften wieder. Es sind orthodoxe Juden, die sich regelmäßig in den Chor der Apokalyptiker einreihen, um in Jerusalem CSD-Pride-Demos niederzuschreien. Juden scheuen sich nicht, schwule Männer mit scharfer Schneide auf offener Straße abzustechen. Schwule ermorden als gute Tat (Mizwa). In der Vorstellung tiefreligiöser Juden ist diese Barbarei kein Missbrauch ihrer Religion. Homosexualität (Sodomie) auszurotten, ist vielmehr der gottgewollten und korrekten, orthodoxen Lesart der jüdischen „Bibel”geschuldet. Der Tanach bietet in allen drei Hauptteilen nur die eine Alternative – die Todesstrafe für sexuelle Handlungen zwischen Männern. Egal übrigens, ob passiv oder aktiv beim Analverkehr. Es ist die israelische Zivilgesellschaft, die jene Rabbiner stärkt und respektiert, die konstatieren, dass es grausam und somit nicht Gott dienlich sei, schwule Männern für ihre Sünden zu strafen oder ihnen sexuelle Enthaltsamkeit aufzubürden. Ähnlich argumentiert in Deutschland Salafist Pierre Vogel: “Nachts sieht Allah die Sündigen nicht”, formuliert der “Islamist” und warnt Denunzianten, die ein Freundespaar im Bett ertappen: “Du musst schon unter die Decke gucken, um genau hinzugucken, aber das macht dich selbst zum Sünder.” Im Koran gibt es kein Strafmaß für MSM-Verkehr. Die Stelle aus der Bibel, wird im Koran ganz anders interpretiert. Homosex an sich wird nicht verurteilt, “nur” der Ehebruch. Wenn also “Single”-Männer miteinander vögeln, ist es nicht verboten. Laut Koran.
Darauf weist sogar der “salafistische Extremist” Pierre Vogel hin, der allerdings auch “Gelehrte” in seinem Homosexualität-Video heranzieht, die im Laufe der Jahrhunderte MSM-Verkehr als “schändlich” verbrämten. Der Prophet selbst verurteile Sex zwischen Männern als solches jedoch nicht.

Der Pragmatismus der Spirituellen im Widerspruch zur reinen Sündenlehre

Mann mit Penis, Museum Antakya, Türkei

Mann mit Penis, Museum Antakya, Türkei

Hufftpo-Blogger Dr. David Berger schrieb in seinem groteskem Schwanzvergleich der Religionen übrigens auch übers Arschficken. Eine ganz schlimme sodomitische Sünde im christlichen Sinne. Im Ergebnis der Berger’schen  Koran-Exegese sticht dennoch die zivilisatorische Überlegenheit des Katholizismus hervor. Der seit Urzeiten übliche, seit der Antike kultivierte und heute noch im Orient goutierte MSM-Analverkehr nutzt Berger indes für eine feministische Volte, wie zu Ehren der CDU-nahen Alice Schwarzer, Frontfrau der Porno- und Islamkritik. Der passive, penetrierte Part beim Ficken ist gesellschaftlich mehr verpönt als der aktive. Dies ist sehr wohl ein Symptom eines durchaus frauenfeindlichen Männlichkeitsgehabes. Diesen Umstand jedoch dem Islam in die Schuhe zu schieben, ist absurd, da er erst im frühen Mittelalter an kulturellen Einfluss gewann. Dass der Stecher prahlt, der Gebummste zwar genießt aber eben schweigt, war bereits im christlichen Byzanz geboten. Genau derselbe tradierte, sexistische Macho-Mist quoll erst vor wenigen Monaten aus den Kommentarspalten weißer Mittelmaßschwuler im “christlich-aufgeklärten” Abendland. Damals als die islamkritische Schwulenzeitschrift Männer eine Rollenverhalten-Sex-Debatte im SoMe anregte. Natürlich ließ Berger dieses Wissen in seiner Anti-Islam-Fatwa außen vor. Inspiriert vom Pro NRW-Aktivisten Lehrer Krause reihen sich stattdessen islamistische Terrorattacken, Gräuelberichte aus Diktaturen, Monarchien und Terrorregimen aus dem fernen Morgenland aneinander. Gegenüber Schwulen intolerante Moslems und der terroristische Anschlag auf die Charlie Hebdo-Redaktion seien die näher kommenden Einschläge der Bedrohung für schwulen Männer durch den Islam. Vor Ort in Berlin-Neukölln oder am Kölner Dom. Statt Kopftuchmädchen im Aufruhr gegen die Homo-Ehe, sehe ich mit der Bibel und Holzkreuz schwenkende Deutschisten, protestantische und katholische “besorgte Eltern” und christlich motivierte Bildungsplangegnerinnen. Die meisten Schwulen hat in Berlin ein deutscher Queer umgebracht – vergiftet und ausgeraubt. Die in arabischen Ländern hingemeuchelten, vermeintlich homosexuellen Jugendlichen, die gesteinigten, mutmaßlich ehebrechenden Frauen, sind Moslems. Opfer des antidemokratischen Königreiches Saudi-Arabien oder dem selbsternannten Gottesstaat Iran. Der IS in Syrien/Irak und Boko Haram in Nigeria schlachtet Christen, Jesiden und Moslems dahin. Altersunabhängig, egal ob Frau, Mann oder Trans*. Koran-Suren dienen diesen Schreckens-Systemen der drakonischen Ordnungspolitik oder schieren Angstmacherei. Letzteres haben sie mit den sogenannten Islamkritikern gemein.

Grundprinzipien einer pluralen, sozialen und demokratischen Gesellschaft

„Angst essen Seelen auf”, heißt das Melodram des leider bereits verstorbenen schwulen Regisseurs Rainer Werner Fassbinder. In seinem Meisterwerk geht es um Fremdenhass, Sexualität, Ausgrenzung und Angst. Religion spielt keine Rolle. Sie tut nämlich nichts zur Sache. Jede Ideologie birgt das Potential und das Risiko von Fanatikern und deren Mitläufer zum Vehikel ihrer Macht- und Gewaltfantasien missbraucht zu werden. Wir brauchen deshalb Freiheit statt Angst, keine Demagogen, keine angsteinflößende Exegese von Koranstellen bis zur Ekstase der sogenannten Islamkritiker, die sich zunehmend im islamophob-rassistischen Terrain bewegen. „Die Angst ist die böse Schwester der Freiheit”, konstatiert Frank Plasberg kürzlich in seiner politischen Talk-Show. Auch die grauenhaften Funktionäre der IS machen sich die Angst zunutze, wenn sie Propaganda-Fotos der Hinrichtung von vermeintlich schwulen Männern für die Verbreitung in den sozialen Netzwerken zur Verfügung stellen. Das tun sie, um ihre Macht über Leben und Tod zu unterstreichen. Sie wollen uns in Angst und Schrecken versetzen, die Grundfeste unserer Zivilisation erschüttern, indem sie die Saat der Angst säen, um den Hass in unseren Köpfen für ihre Zwecke zu ernten. Die Angst ist unser Feind. Deshalb ist Vorsicht statt Panik geboten, wenn Menschen sich ihren Ängsten stellen. Einen klaren Kopf bewahren, nicht in Paranoia verfallen ist das, was zählt im Kampf gegen Fundamentalismus, Totalitarismus und Fanatismus. Im Fokus steht der Wille und Mut für die Grundprinzipien einer pluralen, sozialen und demokratischen Gesellschaft einzustehen. Meinungs- und Religionsfreiheit sind Säulen unserer Zivilgesellschaft. Alle drei Buchreligionen gehören zu Deutschland. Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard hat die Angst kennengelernt und steht gerade deshalb zur Freiheit und Demokratie. Gegenüber der Tagesschau begründete er seine Zustimmung für ein liberales Dschihadisten-Rückkehrer-Programm: „Es gibt dieses wahre, aber ziemliche obszöne Sprichwort: Die Demokratie geht auch mit ihren Feinden ins Bett, nicht aus Lust, sondern aus Prinzip.”

Ich bin schwul und habe Angst vor homophob motivierter Gewalt. Vor allem aber bin ich Demokrat, trete für das Demonstrationsrecht, die Presse-, Meinungs-, Redefreiheit und eine friedfertige Zivilgesellschaft ein, streite als Atheist für die Religionsfreiheit und spreche mich als weißer Europäer für eine multikulturelle, antirassistische Bundesrepublik Deutschland aus. Das Risiko Freiheit gehe ich ein.

Muslimischer Fundamentalist Pierre Vogel über Homosexualität im Islam

Araber stellt sich mit Regenbogen-Friedensfahne den Legida-Nazis in den Weg. Die deutsche Polizei attackiert den Araber.

 

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Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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4 Responses to Homosexualität: Papst oder Pierre – wer ist liberaler?

  1. Reiserobby says:

    Nur eine Notiz am Rande, wer ist sexuell potenter: Moslems, Juden oder Christen? 😉 http://orf.at/stories/2261872/

  2. Wolfgang Brosche says:

    Bei aller Zustimmung zur Einschätzung der katholischen Kirche – Pierre Vogel ist bei weitem kein Schwulenfreund; im Gegenteil. Bei ihm handelt es sich um einen primitiv-zynischen Hetzer und notorischen Lügner, sofern es um die Friedlichkeit des Islams geht – auch er wünscht sich die weltweite Herrschaft seiner irren Religion; die wie alle anderen Religionen das Produkt von Lebensangst und Machotum ist.
    Das Ranking allerdings, das David Berger in der Huff-Post veröffentlicht hat, ist unerhört. Natürlich verfolgt er reaktionäre Zwecke; so z.B. zieht er als Pegida-Bewunderer plötzlich blank. Als Erzkatholik, der er geblieben ist, will er keineswegs differenzieren, sondern seine Religion wieder mal reinwaschen…. als Theologe, der er sein will (aber er ist ja nur Thomist), sollte er wissen, daß der Islam zu großen Teilen beim Christentum abgekupfert und vermengt wurde mit tribalistischen Kulten des Nahen Ostens.
    Mohammed (so es ihn denn wirklich gegeben haben sollte, wenn nicht, die anonymen Autoren des Korans) war phasziniert von der politischen Wirkung des Christentums als Staatsreligion seit Konstantin. Deshalb sah er im Christentum ein Vorbild und hoffte, eine ähnliche Fuktion für den von ihm “erfundenen” Islam.
    Herrschaftsinstrumente beides – daß das Christentum heute milder und menschenfreundlicher wirkt, ist der Asynchronität der historische Entwicklungen geschuldet. Seit der Aufklärung und der Verkündigung der Menschenrechte ist es auch dem Christentum unmöglich geworden, zur Krieg und Mord aufzurufen (obwohl sich Katholiban und Evangelikale oft genug darum einen Dreck scheren).
    Seit der Entdeckug des Individuums gab es gesellschaftliche, humane und kulturelle Impulse und deren Realisierung in der Lebenswirklicheit, auf die natürlich auch Christen im allgemeinen nicht mehr verzichten wollen.
    Der Islam hat eine solche Individualisierung niccht kennengelernt – deshalb wendet er sich gegen Menschenrechte und freie Gesellschaft. Deshalb ist er z.Zt. tatsächlich eine deutliche sichtbare Bedrohung der Menschlichkeit.
    Religioten wie David Berger belügen sich natürlich selbst, wenn die nicht erkennen, daß nur dauernde Zügelung und Kritik aller Religionen die Menschenrechte sichern. Er glaubt offenbar tatsächlich an den ganzen Hokuspokus von göttlicher Allmacht, Jungfrauengeburt und Auferstehung. Ein solcher Kleinkinderglaube ins Erwachsenenleben hinübergerettet befähigt nicht, sich ernsthaft mit den aktuellen politischen Problemen zu beschäftigen, geschweige denn Lösungen zu erarbeiten.
    So beschränkt sich Berger natürlich auf die übliche Hetze der Religiösen gegen die Konkurrenzunternehmen. Das ist in der Tat höchst unintelligent, durchsichtig und gefährlich – es zeigt sich mehr und mehr, daß David Berger tatsächlich bloß ein wenig charismatischer katholischer Maulwurf ist.

    • Reiserobby says:

      Glauben sie mir, Pierre und der Papst, sind nicht meine Kreise, weder hege ich Sympathien. Denke, dass mache ich in diesem immer noch in Bearbeitung befindlichen Post bereits jetzt mehr als deutlich. Dem Islam, und somit den Moslems zu unterstellen, er sei weniger reformierbar oder kompatibel mit der Demokratie als das Christen- oder Judentum, halte ich für einen im Kern rassistisch motivierten Vorgang.

  3. Wolfgang Brosche says:

    Danke für die Klarstellung…
    Es stimmt, recht eigentlich ist das Christentum trotz Luther natürlich nicht “reformiert” – der lehnte bloß den Papismus ab – sein Antisemitismus sollte seinem Gedenken anläßlich der kommenden Jubelfeiern das Genick brechen; wird es natürlich nicht. So wie der Terror eben nicht islamisch ist, ist der der Antsemitismus natürlich auch nicht protestantisch…die gleichen Ausreden…
    Die Abrahamitischen Religionen sind primitive Welterklärungsversuche; daß sie in dieser Funktion längst überholt sind, liegt auf der Hand – gleichwohl klammern sich ungezählte Menschen daran?! Warum? Weil die Religionen ein noch tiefer liegendes Bedürfnis bedienen: sie transzendieren die elterliche Allmacht über das abhängige Kind, das “I can make you and I can break you” – also den Inbegriff des Göttlichen.
    Das kleine Kind ist abhängig von der Zuwendung der Eltern (positiv wie negativ); es entsteht bei ihm der Eindruk, daß die Eltern alle Macht haben, alles können, alles wissen – die Eltern gaukeln das dem Kinde allerdings auch vor, um ihre Macht zu sichern. Daß dies nicht der Fall ist, merkt das Kind lange Zeit nicht, bis es beginnt, elternunabhängig zu denken. Das wird dann perfiderweise Trotzphase genannt- der langsame Beginn einer jahrzehntelangen Abnabelung. Das versuchen natürlich die Eltern mit allen Mitteln zu verhindern: Bestechung durch angebliche Liebe, Liebesentzug, Strafen etc. -nichts ist perfide oderabsurd genug.
    Um die elterliche Macht sakrosant zu machen, braucht es ihre Überhöhung – die monotheistishen Religionen sind darin Meister; Gehorsam, Unterordnung, Unterwerfung sind ihre Mittel. Der Gründungsvater aller drei abrahamitischen Religionen, Abraham, wird zur Zentralfigur mit eben diesen Eigenschaften; er wird patriachal belohnt für seine Unterwerfung, die Bereitschaft, seinen eigenen Sohn zu opfern, ohne den Gottesbefehl zum Mord auch nur anzuzweifeln. Der Gott/Vater dieses Mythos ist nicht gütig!
    Das ist eine Erfindung späterer Zeiten – auch die Güte die angeblich Jesus gepredigt haben sollte, ist nur um den Preis der Unterwerfng zu haben. Die zentrale Geschichte des NT ist die des vollendeten Sohnesmordes – und das wird uns als Allgüte des Vaters verkauft; eine Schauergeschichte, die dann noch ihre blutige Fortsetzung im vampirisch-kanibalischen Ate der sogenannten Eucharistie (Agape, Liebesmahl) findet.
    Das Neue Testament und das Christenntum mit seinem Kernmythos sind nichts weiter als ekelerregendster Splatter!
    Die Apotheose des Kindesmordes (I can break you and I can make you) im AT erfährt ihre Bekräftigung im NT mit der unerhörten Geschichte des Verlorenen Sohnes, der um den Preis des Gebrochenseins Wiederaufnahme beim Vater findet.
    Es geht hier immer um die Deutungshoheit und den Sieg des Vaters…
    Fantasy-Mär vom Gütigen Gott… zurück zur Kindheit: natürlich erleben Kinder auch die liebenden Eltern… sie entwachsen, das ist der Lauf der Welt, dem Hätschelzeitalter und entbehren natürlich das, was sie an Zuwenundung erfahren haben – natürlich wäre die Zuwendung zum Kleinkind inadäquat für einen Erwachsenen. So basteln sich also auch die Kinder einen Gott zurecht, der sich allerdings von ihnen abwendet, den gütigen Gott… ebenso eine Chimäre wie der Allmächtige der Eltern – beides zusammen, Allmacht und Güte – und das dritte Epitheton – allwissend – funktioniert nicht.
    Das nur in Kürze zu den inhärente Absurditäten der monotheistischen Religionen und ihren Ursachen.
    Religionen sollen Welt erklären und ein Normierungssystem nach dem Willen der Herrschenden schaffen – da sie nicht adaptibel sind, sind sie folglich heute rückständig ud primitiv. Um bestehen zu können – also recht eigentlich, um die machistische Elternschaft zu erhalten – müssen sie Gewalt anwenden.

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