Kitzglam in Kitzbühel: Schwule Gruppen-Skireise zur steilsten Piste der Welt

Österreich

Sauna, Schnee und Sonnenbühel

Profis in der Sauna und Glamour auf der Piste: Kitzbühel in Österreich baggert schwule Männer an und lockt mit Design-Bars und Luxus-Shopping ins Tiroler Skigebiet. Die Saison eröffnet die Reiseveranstaltung Kitzglam.Text/ Fotos: Robert Niedermeier

Schwule Kitzglam-Teilnehmer 2010

Kitzglam-Teilnehmer 2010

„Der Lehmann ist in der Sauna, der Jens Lehmann“, verkündet der Berliner Tourist aufgekratzt die Neuigkeit des Tages. „Wer?“, fragt der Wiener unbedarft, der Kölner hilft mit Wissen aus: „Jung, der Fußballer natürlich.“ „Ist das ein Schwuler?“, möchte der Münchner es genauer wissen. Die Gruppe im Kitzbüheler Luxus-Hotel Grand Tirolia (www.grand-tirolia.de), die kurz vor Weihnachten an der Reiseveranstaltung Kitzglam teilnimmt, ist in heller Aufregung.

„Er trug ein Handtuch beim Kneippen“

Advent im Grand Tirolia: Blick vom Balkon des Luxushotels

Advent im Grand Tirolia: Blick vom Balkon des Luxushotels

Beim Snack-Schmaus am Nachmittag mit Kraut, Würsteln und süßer Dessert-Auswahl wartet die schwule Truppe eigentlich auf den nächsten Programmpunkt ihres dreitätigen Aufenthalts im österreichischen Nobel-Ort. Doch das Saunieren des ehemaligen Profifußballers regt die Fantasie aller an. Im schicken Foyer des erst 2009 eröffneten Fünf-Sterne-Hotels wird sodann heftig über die „Schwulen-Combo“ diskutiert, die Frage erörtert, warum Torwart Lehmann so oft in London weilt, obwohl er drei Kinder habe und alle ärgern sich insgeheim darüber, dass sie selbst nicht etwas länger im Nacktbereich des weitläufigen Wellness-Anlage verweilten. „Er trug ein Handtuch beim Kneippen“, berichtet der Berliner enttäuscht, verdrückt als Wiedergutmachung schnell noch einen Happen vom Büfett.

Gruppenreise ins berühmte Skigebiet von Kitzbühel

2000 Meter hohen Skiberges Pengelstein

Panorama vom 2000 Meter hohen Skiberg Pengelstein aus betrachtet

„Wir müssen los, die Taxis warten“, bittet endlich Tom Dedek. Zusammen mit seinem Partner Thomas Bömkes von „Tomontour“ (http://www.tomontour.de) organisiert er 2011 zum zweiten Mal die Kitzglam; eine schwule Gruppenreise ins berühmte Skigebiet von Kitzbühel. Bekannt ist der 8200 Einwohner zählende Ort keinesfalls aufgrund seiner Gay-Lokale, die es in explizit schwuler Ausführung schließlich nicht gibt, sondern vor allem durch die illustre Schickeria. Die fällt alljährlich zum Hahnenkamm-Rennen auf der Streif ein. Die steilste Rennpiste der Welt säumen Arnold Schwarzenegger, Lothar Matthäus, Boris Becker und weitere mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten, die es sich aber auch außerhalb der Hochsaison am Fuße des knapp 2000 Meter hohen Skiberges Pengelstein gut gehen lassen.

Alois’ Hände glänzen vom Öl verschmiert

Motorstark mit dem Ski-Doo hoch zur Sonnenbühel-Hütte oberhalb von Kitzbühel

Motorstark hoch zur Sonnenbühel-Hütte

“Von München aus liegt Kitzbühel nur einen Katzensprung entfernt”, erklärt Dedek den Promi-Auflauf. „Uschi Glas hat sich im Hotel „Weißes Rössl“ ein Apartment einrichten lassen“, erzählt indes Peter Perktold auf der Taxi-Fahrt vorbei an zugeschneiten Golfplätzen und fein gezogenen Langlauf-Loipen. Der Einheimische ist beruflich für das Marketing des Touristenortes zuständig, unterstütz die Kitzglam-Veranstalter und findet, dass seine Heimat (www.kitzbuehel.com) für Gays ein tolles Urlaubsziel sei. „Shopping, gutes Essen, Glamour und die Kitzbüheler Buben haben stramme Waden vom Wandern und Skifahren“, preist er frivol an. An einem Parkplatz oberhalb der Hahnenkamm-Talstation warten bereits Alois und seine kernigen Kollegen auf die knapp einen Dutzend starke Reisegesellschaft. Die Motoren der Schneemobile rattern und die Alois’ Hände glänzen vom Öl verschmiert im diffusen Licht. Das kommt gut an.

Attraktiver Sohnemann flirtet wie ein Profi

Christoph Tomschy und Kollegin in der Gourmet-Hütte Sonnenbühel

Christoph Tomschy und Kollegin in der Promi-Hütte Sonnenbühel

Der Kitzbüheler Kerl packt seine schwulen Schützlinge schließlich in flauschige Decken warm ein. Dann folgt eine rasante Fahrt auf den Skidoos durch dichtes Schneegestöber, rauf auf die Skihütte Sonnbühel  (http://sonnbuehel.at) der Familie Tomschy. Das ist ein Promi-Treffpunkt unweit der berühmten Weltcup-Strecke, auf der Hansi Hinterseer als Ski-Ass berühmt geworden ist. Papa Wolferl präsentiert im Weinkeller gute Tropfen, Christoph,  sein attraktiver Sohnemann flirtet wie ein Profi mit alles und jedem als er charmant auf die Terrasse ruft, wo er kulinarisch hervorragend zubereitetes Grillgut mit Schwung und viel guter Laune auf Porzellanteller serviert. Schwule Zoten bleiben angesichts der zarten Haxen, knackigen Würste und phallsuartigen großen Garnelen nicht aus. “Ist das ein Schwuler”, fragt der Münchner irritiert. “Glaube ich nicht, aber der Kunde ist hier König, wa?”, lacht der Berliner, und trinkt seinen Schnaps in der urgemütlichen Gaststube des angesagten Wirtshauses aus.

Residenz einer Industriellenfamilie aus Preußen

Christoph Tomschy grillt nicht nur leckere Würste

Christoph Tomschy grillt nicht nur leckere Würste

Bis in die Sechziger Jahre hinein dient Sonnbühel als Residenz einer Industriellenfamilie aus Preußen. Heute geht es auf der Hütten auch tagsüber öffentlich rund. Dank der Seilbahn erreichen auch des Skifahrens nicht mächtige Schneehasen den Hot Spot, die lediglich ihr sportliches Outfit zur Schau tragen und Ausschau nach sportlicheren Typen halten.

Kitzglam als schwuler Saison-Opener

Tom Dedek von Tom on Tour, die Organisatoren des schwulen Ski-Reise-Projekts Kitzglam

Tom Dedek von Tom on Tour, die Organisatoren des schwulen Ski-Reise-Projekts Kitzglam

“Der Homoanteil ist in den Kitzbüheler Alpen relativ hoch”, rechnet der in München lebende Touristik-Fachmann Tom Dedek vor. Das haben auch andere schwule Veranstalter erkannt und das Skigebiet von Kitzbühel für sich entdeckt. Seit Jahren organisiert „Männer Natürlich“ (http://www.gay-ski.de)  Ende Januar eine Skigruppen-Reise in das benachbarte Kirchberg. Die Kitzglam soll sich hingegen als Saison-Opener etablieren und geht im Winter 2011/2012 in die zweite Runde.

Dieser ganz gewisse Glamour-Faktor

Kitzbühel Altstadt

Rundbögen, Türmchen und Jugendstil-Fassaden zeugen vom frühen Wohlstand Kitzbühels

Skifahren steht vornehmlich auf dem Programm. Immerhin wollen 170 Pistenkilometer, 54 Seilbahnen und Lifte genutzt werden. Zur Skiregion gesellen sich die Orte Jochberg, Kirchberg und Aschau: Mit insgesamt 10000 Hotel- und Betten bietet der Verbund eine außergewöhnlich hohe Fremdenbettendichte. Aber nur Kitzbühel selbst verfügt über diesen gewissen Glamour-Faktor. Anders als in vielen anderen alpinen Gemeinden ist der Altstadtkern von herrschaftlichen Villen und Stadthäusern geprägt: Rundbögen, Türmchen und Jugendstil-Fassaden zeugen vom frühen Wohlstand Kitzbühels, der bis in die Gegenwart die „Reichen und Schönen“ wie ein Magnet anzuziehen vermag.

Tom Dedek trifft Bekannte aus der Szene Münchens

Zwei Teilnehmer der Kitzglam: Gäste im Restaurant Chizzo

Gäste im Restaurant Chizzo

Bei Lachs-Crepes-Röllchen, Kürbiscremesuppe mit Scampi und frischer Ente mit Blaukraut und Knödel klönen etwa im Restaurant Chizzo (http://www.chizzo.eu) Fernsehteams aus München, russische Oligarchen und manch Hollywood-Star unbeschwert miteinander. Das telegene Publikum wähnt sich unter sich und goutiert im Stadtzentrum ein tolerantes Umfeld. Bei Sekt und Wodka erhöht sich derweil in der nahen Design-Bar „Bergsinn“ (http://www.bergsinn.at) der Homoanteil um ein weiteres Maß. Tom Dedek trifft Bekannte aus der Szene Münchens: „Schade, dass es keine Schwulensauna gibt“, lamentiert der bärtige Muskeltyp, der blonde Kellner beruhigt und empfiehlt das dezente Cruisen im Badeparadies Aquarena am Dorfrand: „Das ist doch eh viel spannender.“ Der Berliner hört trunken zu, bestellt noch einen Wodka-Cranberry nach und träumt von einem Wiedersehen mit Jens Lehmann in der luxuriösen Sauna vom Kitzbüheler Hotel Grand Tirolia.

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Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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