MPS Statendam-Rhein-Kreuzfahrt mit Schlager-Hits

Flusskreuzfahrt

Rhein ins Vergnügen

Unterwegs auf dem Flusskreuzer MPS Statendam von Düsseldorf den Rhein hinauf bis nach Amsterdam. Ich muss zugeben: Diese Schlagerkreuzfahrt war einfach saulustig.Text: Robert Niedermeier, Fotos: Robert Niedermeier/ Müller Touristik

Frau Antje beim Karaoke auf der MPS Statendam, Foto: Robert Niedermeier

Frau Antje beim Karaoke

Das Boot ist voll, die Party geht los. Der Discjockey gibt die Hymne vor: Coras “Traum von Amsterdam”. Eigentlich ist das ein tief trauriges Lied. Doch was kommt schon traurig rüber auf einer klassischen Kegelklub-Tour, und es geht ja wirklich nach Amsterdam. Geruhsam und gediegen wird es auf dieser Flusskreuzfahrt jedenfalls nicht zugehen: “Das Durchschnittsalter liegt bei 40 – so ab Mitte 20 bis Anfang 50”, beschreibt Reiseleiterin Christiane Werning ihre Gäste und kündigt an: “Die wollen Party machen!”

Mit an Bord: Die 13 Freundinnen vom Kegelklub “Pudelrudel”

MPS Statendam vor der Party: Pre-Party: Doro (links) und ihr Pudelrudel, Foto: Robert Niedermeier

Pre-Party: Doro (links) und ihr Pudelrudel

Die 98 Kabinen des Rheinkreuzers sind ausgebucht, knapp 200 Gäste in Bestform. Noch liegt die MPS Statendam im Düsseldorfer Hafen am Kai, doch die ersten bestellen bereits munter Pils und Kölsch. Mittendrin: Die 13 Freundinnen vom Kegelklub “Pudelrudel”. Sie kommen alle aus der Gegend zwischen Bocholt und Hamminkeln, keine ist älter als dreißig und jede hübsch anzusehen. Die kölschen Jungs der Reise-Clique riskieren erste Blicke. Rheinländer um die Fünfzig beherrschen das aus dem Effeff. Jedoch: Anja, Bettina, Doro und die anderen führen daheim “ein äußerst erfolgreiches kleines Familienunternehmen”, betont die niederrheinische Doro.

Single oder gebunden? An der Bord-Bar kommen sich alle näher

Reiseleiterin Christiane Werning mit Schiffseigner Willem Hendriksen in der Bar der MPS Statendam

Reiseleiterin Christiane Werning mit Schiffseigner Willem Hendriksen

Die “Pumpenjäger”, Kegelkollegen aus Braunschweig, punkten trotzdem mit trockenem Witz und feuchtfröhlichen Runden. Dem Pudelrudel gefällt die partysichere Etikette der Niedersachsen, die wohl der 25-jährigen Kegelkluberfahrung geschuldet ist. Alle kommen sich beim lockeren Warm-up näher. Reiseleiterin Christiane Werning erzählt derweil: “Singles müssen halt gucken, wer frei ist, viele an Bord sind ja fest verpartnert.” Dann blickt sie kokett zu der sich schnell füllenden Bar hinüber: “Spannender ist es aber bei uns.” Es ist Freitagabend, die Koffer stehen unausgepackt in den Kabinen, das Büffet bereit. Dass das nostalgische Schiff frisch renoviert ist und die Küche in Ordnung, wissen die meisten, schließlich sind sie Wiederholungstäter. Die schöne Doro lobt die fairen Getränkepreise, ihre schlanke Taille bietet trotz Bierkonsum noch Raum: “Essen gibt es auch satt, gut so.” Denn die Nacht sei ja noch lang.

Jürgen Drews tönt aus den Boxen: Grenzenloser Frohsinn!

2000 PS, 98 Kabinen: Die MPS Statendam vor der Abfahrt

2000 PS, 98 Kabinen: Die MPS Statendam vor der Abfahrt

“Ich bin dein Pilot, der dich in den Himmel fliegt,” intoniert Jürgen Drews. Gut aufgelegt von DJ Stephan, dem Ehemann der Reiseleiterin. Die Kapazität am Partydeck ist erschöpft, der Frohsinn grenzenlos. Indes sehen die redseligen Raucher auf dem Oberdeck die Industriekulisse Krefelds als schwarze Schatten in der Ferne verschwinden.
Das 2000 PS starke Schiff kommt dagegen nicht zur Ruhe. Kapitän Hans Jacobs und seine Mannschaft geben diskret Acht, dass niemand im Überschwang sein Gleichgewicht verliert. Die Reling ist gut gesichert, Signalleuchten navigieren auch Beschwipste galant auf ihren Wegen. Denn “Mann über Bord” bedeutet Lebensgefahr. “Plumps, dann bisse weg”, erklärt ein Braunschweiger. Im Bauch des Partykreuzers setzt “It´s my life” von Bon Jovi beim Publikum neue Energie frei.

Ein Bussi von der Blonden: Quatschen, Cruisen und Quatschmachen

Angestellte Dilyana serviert freundlich und kompetent, auch wenn es wieder einmal hoch hergeht

Angestellte Dilyana serviert freundlich und kompetent

Auch Gisela lässt es krachen. Als Partycaptain hat die Mittdreißigerin ihre Freundinnen-Horde im Schlepptau. “Das Personal ist so freundlich”, grölt sie heiser im Vorübergehen. Tischservice ist obligatorisch auf dem Vier-Sterne-Schiff, doch das Cruisen zwischen Diskotheke und Bar motiviert zum Quatschen und Quatschmachen. Wer dem Fünfergespann in die Quere kommt, dem quetschen sie ein Bussi auf die Wangen. Quengeln hilft da nicht: “Komm, wir fahren nach Amsterdam”, singt die Blonde, als der Motto-Song erneut für Freudenstürme sorgt. Feuchtfröhlich geht’s weiter durch die Partynacht: Von einer Stimmungswelle zur nächsten. Aufstehen, die Sonne scheint. Irgendwann in der Nacht wurde mit 22 Stundenkilometern die niederländische Grenze überschritten. Wer wollte, der konnte die letzen Stunden tatsächlich mit Schlaf verbringen. Die Kojen schützen erstaunlich gut vor den Schallattacken, die bis in die Morgenstunden andauern. “Regenbogengold haben wir gewollt.” Wie im Liedtext zu “Amsterdam schwebt ein mächtiger Regenbogen über den Innenhafen der Grachtenstadt. Christiane Werning und Kollege Heiko Engler sammeln die Gäste für den Landgang. Was darf’s denn sein: Grachtenfahrt, Blumenmarkt oder die Damen-Tour durchs Rotlichtviertel? Wer das nicht mag, der verbringt den Amsterdam-Tag auf eigene Faust oder im warmen Bett auf bekanntem Bord-Terrain.

“Wir feiern die ganze Nacht.” Der Erschöpfungspegel ist nicht ausgereizt

Von einer Stimmungswelle zur nächsten mit Achim Reichels "Sanisbar"

Von einer Stimmungswelle zur nächsten

Das Dinner wird als indonesische Samstagnacht zelebriert. Das Personal trägt Tracht, und in der Bord-Disco geht die Feier im vollen Gang weiter. Achim Reichels “Sansibar” animiert zum kollektiven Trocken-Rudern: “Aloha Heya He, Aloha Heya He”, singen die freiwilligen Bodentänzer. Die Statendam schippert die Schleusen hoch, während es durch den Schiffrumpf hallt: “Wir feiern die ganze Nacht.” Sonntagvormittag, Frühstücks-Buffet: Der Erschöpfungspegel ist noch nicht ausgereizt. Karaoke steht an. Die Reiseleiterin singt in voller Frau-Antje-Montur das Amsterdam-Lied. Kollege Heiko Engler freut sich, weil seine “Gäste hochzufrieden sind.” Ein Graumelierter schmachtet kurz vor Düsseldorf herzzerreißend schön ins Mikro. Auf Kölsch, von Treue und Liebe. Und den jungen Muttis vom Niederrhein geht dabei das “Hätz” auf.

P.S. I’ve survived a Schlagerkreuzfahrt

Robert Niedermeier aka Reiserobby am Deck der MPS Statendam

Robert Niedermeier aka Reiserobby

About Reiserobby

Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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