Sozialismus & Antifa – die schönsten roten Lieder

Schwestern zur Sonne

Hört die Signale

Seit einigen Wochen quält mich ein Ohrwurm, weil ich in einer Headline über einen Miami-Post schrieb: "Schtetl zur Sonne". In Anlehnung an "Brüder zur Sonne". Überhaupt: Sozialismus-Songs gehen einfach ins Ohr. Deshalb sammel ich mal alle Klassiker vom musikalischen Kommunismus in einem knallroten Post. Text: Reiserobby/ Liedtext-Autoren

Sozialismus ist vielfältig. Und unerlässlich, wenn solidarischer Humanismus nicht auf der Strecke bleiben soll im globalen Kapitalismus. Mehr Sozialismus wagen im demokratischen Staat wäre meiner Meinung nach eminent wichtig. Besonders zur Überlebenssicherung meiner lieben Tante SPD. Aber hier geht’s jetzt mal nur um Musik. Und was soll ich lange palavern. Beste Hymnen, beste Schmachtfetzen, beste Wanderlieder, beste Lagerfeuer-Jugendcamp-Lieder und beste Ferienfreizeit-Songs sind nunmal allesamt knallrolt, links, sozialistisch und auch kommunistisch. Sowas wie Ferienfreizeitlager gibt es heute – würde ich mal mutmaßen – zwar alles gar nicht mehr, oder fahren Teenager 2019 noch mit den Falken im Zelt-Urlaub? Aber egal, Brust raus, Faust geballt, jetzt gehts los…

Brüder zur Sonne, zur Freiheit, im Original von Leonid Petrowitsch Radin

Zwischen 1895 und 1896 schrieb der Russe das hymnische Lied im Knast als politischer Gefangener des zaristischen Feudalismus. Wikipedia beschreibt recht genau wie später der deutsche Text entstand: “Der deutsche Dirigent Hermann Scherchen, Leiter eines Arbeiterchores, lernte das Lied 1917 in russischer Kriegsgefangenschaft kennen und schuf 1918 eine deutschsprachige Fassung.” Im Orginal heißt der Song ins deutsche übersetzt: „Tapfer, Genossen, im Gleichschritt“. Klingt “Brüder zur Sonne, zur Freiheit” aber doch schon mehr nach Ferienlager und Urlaubsspaß.

Die Internationale, die Kommunismushymne, von Eugène Pottier

1871 gedichtet, wohl während der ersten proletarisch-sozialistischen Revolution weltweit, im wunderschönen Paris an der Seine, wurde das Lied erst ein Jahrzehnt später in seine kraftvolle Melodie gekleidet. “Die Internationale” ist die große Hymne des Sozialimus. Besonders der deutsche Text bringt die Verbundenheit der Völker im Arbeiterinnenkampf fürs Menschenrecht liebreizend auf den Punkt. Wikipedia weiß dazu: “Die bekannteste und bis heute verbreitete deutschsprachige Nachdichtung schuf Emil Luckhardt (1880–1914) im Jahr 1910. Seine Version ist an den französischen Originaltext lediglich angelehnt und beschränkt sich auf die sinngemäße, dabei in der Radikalität etwas abgeschwächte und romantisierte Übersetzung der ersten drei Strophen des französischen Liedes.”

Die Moorsoldaten, v. NS-Lager-Insassen Johann Esser/ Wolfgang Langhoff

Dass Die Toten Hosen das Lied gecovert haben, wusste ich bis vor wenigen Miuten gar nicht. 500 verschiedene Lieder gibt es immerhin von dem tragisch-verzweifelt hoffnungsvollem Lied gegen Knechtschaft  – und die Punkrock-Version haut richtig rein. Ganz große Klasse. Geschrieben wurde der Song von politischen Gefangenenen des Konzentrationslagers Börgermoor bei Papenburg im Emsland: “In diesem Lager wurden vorwiegend politische Gegner des Nazi-Regimes gefangen gehalten. Mit einfachen Werkzeugen wie dem Spaten mussten sie dort das Moor kultivieren”, klärt Wikipedia auf.

Sag mir, wo du stehst? FDJ-Totalitarismus mit cooler Hook


DDR und Mauertote gehören zusammen, und Sozialismus in der antiDemokratischen Deutschen Republik nahm einen stalinistisch paranoiden, freiheitsberaubenden Weg, mitsamt drakonisch eingeschränkter Reisefreiheit, aber die Mieten waren billig und alle haben recycelt. Zum Song, ich mag die Hook und interpretiere das Oktoberklub-Lied mal so: Wer den Sozialismus bejaht, muss zum Nationalismu Nein sagen. Mehr zum Song, erzählt Wikipedia: “Das Lied knüpft musikalisch in der Melodiebewegung des Refrains an den 1931 entstandenen US-Gewerkschaftssong Which Side Are You On? von Florence Reece an, der auch von der Aussage im Titel sowie der agitatorischen Emphase für die realsozialistische deutsche Fassung Pate stand.”

Fortsetzung folgt… Ciao, Bella. Bello, Ciao

Bevor es mit den großen sozialistischen und antifaschitsichen Hits der Weltgeschichte weitergeht, ein Fundstück aus dem Spon-Archiv aus dem Jahre 1971 mit dem schönen Titel: “Musik, die dem Sozialismus nützt” über den Komponisten der DDR-Nationalhymne respektive der sozialistischen deutschen Nationalhymne Hanns Eisler: “In Amerika verfaßte der unermüdliche Klassenkämpfer das “Lied von der Einheitsfront” und das “Lied von Hammer und Sichel”. Aber er komponierte auch sein bestes Kammer-Stück. das (im “Steirischen Herbst” wieder dargebotene) Zwölfton-Quintett Opus 70, das sehr wohl die von Eisler verworfenen “Privatgefühle” zum Ausdruck bringt. Es trägt den Titel “Vierzehn Arten, den Regen zu beschreiben”. 1947 wurde Eisler mit seiner Frau Stephanie verhaftet, ins Gefängnis geworfen und vors “Komitee zur Untersuchung unamerikanischer Umtriebe” gebracht. Grund: Er war der Bruder des Kommunisten (und späteren DDR-Informationschefs) Gerhart Eisler. In Amerika protestierten Charlie Chaplin, Thomas Mann und Albert Einstein, in Frankreich Picasso, Matisse, Cocteau, Aragon und Eluard gegen das “schändliche Ausweisungsverfahren”. Aber Eisler wollte ohnehin gehen. 1948 kehrte er nach Europa zurück. 1950 etablierte er sich in Ost-Berlin.” (Spiegel) Das klingt spannend, mal schauen, was Youtube im Angebot hat…

About Reiserobby

Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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