Tanzmusik gegen Deutschland & Rassismus: Rammstein über alles

Deutschland

Beste Ausländer-Band

Laut, klar, tanzbar: Rammstein lassen es auf ihrem neuen Album ohne Titel ordentlich krachen. Im besten Deutsch umrahmen poetische Texte die einprägsamen Düsterpop-Melodien. Politisch sind Rammstein erneut, eben liberal, solidarisch humanistisch und pro Ausländer. Zu Deutschland heißt es im gleichnamigen Lied: Meine Liebe kann ich dir nicht geben. Text: Robert Niedermeier, Foto: Screenshot Rammstein/YouTube

Ausländer sind sexy und Deutschland kann man – im Gegensatz zu anderen Menschen – nicht lieben. Ach, ja… Wir alle sind Ausländer. Logisch auf einer Welt mit Grenzen und Zäunen. Die Botschaft ist so schlicht wie wahr, welche mir die “Neue Deutsche Härte”-Band Rammstein musikalisch zünftig verpackt vermittelt.
Gerade zum ersten Mal das Video “Deutschland” zum gleichnamigen Rammstein-Lied gehört und bin schwer beeindruckt. “Deutschland – meine Liebe kann ich dir nicht geben”, singt Till Lindemann. Kurz zuvor drehen im Musikvideo KZ-Insassen den Spieß rum, ballern deutschen Nazis treffsicher aus kurzer Distanz, visuell ausgesprochen ästehtisch umgesetzt, den Schädel weg. Bämm.
Ähnlich genial übrigens auch “Ausländer” – ein rythmische Hymne auf Internationalität und geselliger Interaktion. Im dazugehörigen Video-Werk provokant ummantelt als sexistisch-rassistische Völkerschau-Unterhaltung, mit denen in Deutschaland der kaiserliche Unteran vor dem ersten Weltkrieg bespaßt worden ist. Rammstein sind gut wie nie, gegen Totalitarismus, gegen Nationalismus, gegen Grenzen, gegen Zäune, pro Mensch. Wir hören Tanzmusik gegen Nazis.

Pressestimmmen – von verstört bis typisch deutsch überheblich

+++Vielleicht aber auch alles wieder nur eine Finte. Schließlich zeigten sich Rammstein auch vor dem „Deutschland“-Video in einem Teaser als KZ-Insassen an einem Galgen. Etwas, das im kompletten Video kaum eine Rolle spielte. Außerdem sieht man die Musiker nach einer ersten Weitwinkelaufnahme dann doch aus der Nähe, wie sie sportlich übers Wasser paddeln, mit sorglosem Blick und in Rettungsweste gehüllt. Update: Am Dienstagmittag posteten Rammstein ein weiteres mutmaßliches Bild aus dem Video. Es zeigt die Musiker auf einem Gruppenbild möglicherweise als Kolonialisten vor einem Stamm Ureinwohner dunkler Hautfarbe.+++ (Rolling Stone)

+++Online-Redakteur Fabian Soethof befand nach seinem ersten Eindruck in einer Privatmeinung: „Die ersten dreißig Sekunden könnten auch ein Rammstein-Cover eines EDM-Tracks sein. Dass Till Lindemann in der Strophe ausplaudert, dass er gerne viel reise, spricht ja auch für ein Faible für den Lifestyle von Weltstar-DJs. In der Bridge die erste Zeile, die diesen Sommer am Ballermann mitgesungen werden könnte: „Ich bin kein Mann für eine Nacht, ich bleibe höchsten ein, zwei Stunden.“ Die Hi-Hat imitiert vorsorglich die Handclaps, im Refrain rastet die Großraumdisco völlig aus: „Ich bin Ausländer! Mi amor, mon cherie!“ Endlich hat die deutsche Kartoffel wieder einen Hit, in dem sie verstanden und als solche akzeptiert wird. #Facepalm. Das mitunter subversiv Gemeinte wird bei der typischen Rammstein-Zielgruppe nämlich so wenig ankommen wie die eigentliche Message in „Deutschland“, deshalb schreiben wir es hier einmal nieder: Nein, Kerle, Frauen stehen nicht darauf, von Euch besoffen und notgeil mit billigsten Sprachfetzen angebaggert zu werden.“+++ (Musikexpress)

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Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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