Trickser trifft Trottel: Selbst erlebt auf Mallorca

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Trickser trifft Trottel

Helfen ist Pflicht, doch besonders Urlauber können zum Opfer ihrer Hilfsbereitschaft werden. Auf Mallorca hat es der Autor selbst leidlich erfahren müssen. Text/ Fotos: Robert Niedermeier

Landsleute abziehen auf Mallorca: Vertrauen verschafft die Gelegenheit

Gruseliges Mallorca Foto, Robert Niedermeier

Palma de Mallorca Altstadt

Mittellanges, mittelblondes Haar, eine unscheinbare, freundliche Frau im mittleren Alter ist es, die im unterirdischen Busbahnhof von Palma de Mallorca den roten Bus verlässt. “Entschuldigung, wann fährt der letzte Bus zurück nach Capdepera”, fragt sie schüchtern. “Oh, das weiß ich gar nicht, aber da will ich später auch wieder hin”, antwortet ihr ahnungsloses Opfer. Das hat die gewiefte Trickdiebin in ihren Absichten einkalkuliert. Schließlich hat sie alle Fahrgäste von der Rückbank aus eingehend beobachtet: In welchem Dorf ihr alleinreisendes Opfer in den Linienbus zusteigt, wo es nach dem Ticketkauf die Geldbörse verstaut, das alles hat die Kriminelle registriert und sich wie immer einen Deutschen ausgesucht. Schließlich vertrauen sich Landsleute im Ausland: “Ja, der Nordosten Mallorcas ist wunderbar”, säuselt sie und schon wird ein plumper, aber effizienter Trick dem Hilfsbereiten zum Verhängnis: “Dort oben, sind das Hinweisschilder?”, fragt sie, lenkt damit ab und es passiert: Das Portemonnaie des Bestohlenen wandert aus der Jackenaußentasche in diebische Hände. Die treuselig wirkende Ganovin verabschiedet sich auch noch herzerfrischend mit lieben Wünschen für den weiteren Urlaub. Schöner Urlaub? Pustekuchen! Bank- und Kreditkarte, Bargeld und Pass, alles ist weg. Urlaubsstress pur statt Erholung steht bevor.

Zwielicht Unweit der Kathedrale von Palma de Mallorca

Unweit der Kathedrale von Palma de Mallorca

Touristenfallen weltweit: “Autopanne” und “Fasche Katze”

Wer nun meint, mit einem Mietwagen ist man sicherer auf seiner Lieblingsurlaubsinsel unterwegs, der irrt sich. Der ADAC warnt Touristen vor folgender, besonders grausiger Situation: Auf der einsamen, aber in malersicher Postkartenidylle gelegenen Landstraße, winken Hilfesuchende schon von weitem. Entweder zeugt beim Näherkommen ein loses Rad von einer Autopanne oder das Gefährt liegt halb im Straßengraben und dort offensichtlich unfallbedingt fest. “Da muss man helfen”, sagt der Instinkt, doch wer jetzt aussteigt, ist ein potentielles Raubopfer und begibt sich sogar in Lebensgefahr. Vorsicht ist in so einem Moment der bessere Ratgeber als das Helfersyndrom. Tipp: Lage eingehend checken, wobei eine Person mit Telefon im verschlossen Auto sitzen bleibt, oder besser direkt die Polizei telefonisch um Hilfe bitten. Dem hilfsbereiten Tierfreund wird weltweit immer häufiger ein Kätzchen zum Fallstrick. In der City des beliebten Ferienortes wird der parkende Urlauber beim Aufschließen plötzlich von einem verzweifelt um Mithilfe bittenden Mädchen angesprochen. Ihre kleine Katze sei just unters Auto gehuscht, man möge doch bitte nicht wegfahren und nachsehen. In Wahrheit haben die Gang-Mitglieder das parkende Auto des zurückkehrenden Stadtflaneurs vorab genauestens observiert. Das Kätzchen hingegen ist frei erfunden. Abermals ein einfacher, aber gut funktionierender Ablenkungstrick. Besser ist: Auto zugeschlossen lassen, die Umgebung prüfend überblicken und das Mädchen natürlich selbst unters Auto schauen lassen. Sonst besteht die Gefahr, dass flinke Hände sich im Inneren des Autos am Eigentum zu schaffen machen.

Mallorca-Abendsonne: Strand am Ballermann

Mallorca-Abendsonne: Strand am Ballermann

Mitleidsfalle: Der Komplize des Halunken

Zurück zum Busbahnhof von Palma: Eine Woche nach dem Taschendiebstahl ist es wieder ein Landsmann, dem der Autor dieser Zeilen als trottelig genug erscheint, um auf einen besonders perfiden Trick hereinzufallen. “Sprechen Sie Deutsch? Das ist mir sehr peinlich, ich muss zur Botschaft, mein Rucksack, mein Geld, mein Flugticket, meine Papiere, alles ist weg – im Bus vergessen”, stottert der wie ein Steuerbeamter in Trekkingkleidung wirkende Mittvierziger und fleht: “Können Sie mir bitte helfen?” Schweißperlen auf der Stirn und Panik in den Augen breiten sich gleichermaßen beim Hilfe erbittenden Scheinurlauber aus. Dass das Opfer ein ähnliches Horrorszenario erst kürzlich am selben Ort erlebt hat, macht es dem begabten Lügner leichter. Mitleid und Mitgefühl sind die Komplizen des Halunken, die den letzten Hauch von Argwohn in schwüler Luft auflösen und dem Leichtgläubigen 20 Euro entlocken. “Danke, vielen Dank, ich schicke Ihnen eine SMS, sobald ich bei meiner Frau am anderen Ende der Insel angekommen bin”, beteuert der dreiste Schnorrer mit hohem schauspielerischem Talent. Den erneut ums Geld erleichterten Mallorca-Besucher fällt nicht einmal auf, dass der scheinbar Mittellose ausgerechnet Blatt und Stift zum Notieren der Handynummer parat halten kann. Auch das vertrauensstiftende Angebot zur Sicherheit, die natürlich falsche Telefonnummer zu notieren, gehört zum Trick. Dumm gelaufen.

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Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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