Verlagschef Bruno Gmünder gewinnt Australienreise

Korruption

Schamlos: Der Sidney-Schwindel

Korrupt: Verlagschef Bruno Gmünder gewinnt eine Australienreise, die im hauseigenen Reisemagazin Spartacus Traveler von TUI ausgelobt worden ist. Trotz Protest des damaligen Chefredakteurs wird im Folgeheft einem fiktiven Gewinner gratuliert. Weiland fliegt der Boss mit seinem Freund für lau gen Sydney in den Urlaub.Text: Robert Niedermeier

Piscis primum a capite foetet: „Es fängt der Fisch zuerst vom Kopf zu stinken an. Das ist gegen die schlechten Herrscher gerichtet, die mit ihrer Verderbtheit das ganze Volk anstecken. Es stammt offenbar aus der Sprache des einfachen Volkes.“ (Erasmus von Rotterdam)

Fingierter Glückwunsch an „Daniel Osterhagen“ aus Frankfurt am Main. In der November/ Dezember-Ausgabe 2008 wurde einem Gewinner der Sydney-Reise gratuliert.  „Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht absichtlich.“

Fingierter Glückwunsch an „Daniel Osterhagen“ aus Frankfurt am Main.
In der November/ Dezember-Ausgabe 2008

Sorry, muss leider wegen anderer dringender Aufgaben die Fertigstellung des Australien-Preisausschreiben-Beitrages verlegen… Mein Geständnis-Post zu der verfälschten Australien-Reise-Verlosung habe ich bis zur finalen Fertigstellung des Textes erst einmal auf “privat” gestellt. Doch als ich diese Stellungnahme von Bruno Gmünder zum Stoppkreuz.net-Spendenskandal gelesen habe, beschloss ich spontan, die Bearbeitung meines eigenen Geständnisses zur Australien Reiseverlosung im Spartacus Traveler öffentlich einsehbar zu lassen. Denn erneut fehlt es dem vor Selbstgerechtigkeit strotzenden Bruno Gmünder an echter Einsicht, Vorwürfe lässt er abperlen wie eine Lotusblüte den Schmutz, stattdessen kreidet er Tino Henn ein alleiniges Fehlverhalten an, macht ihn zum Sündenbock, schiebt ihm alleine die Schuld an einem moralischen Desaster sondergleichen in die Schuhe.

Aktuell:

Auch die vom Verleger damals eigenhändig in die Wege geleitete Lesertäuschung ist eine Schweinerei, ist symptomatisch für eine Selbstbedienungsmentalität, die allerdings in vielen Bereichen der Wirtschaft zum Vorschein tritt.

Eigentum verpflichtet, steht im Grundgesetz. In der Realität verhilft Eigentum jedoch vor allem zur Macht. Macht verleitet zum Missbrauch, das befördert Korruption. Bruno Gmünder persönlich hat sich im nun ausklingenden Jahr damit profiliert, sich vehement für mehr Transparenz im Falle des Berliner CSD e.V.s stark zu machen.

Aktuell fliegt dem heutigen Miteigentümer des Bruno Gmünder Verlages eine Spendenaktion um die Ohren. Erneut zeigt Bruno Gmünder, keine Einsicht, kein Bedauern über sein eigenen Tun, sondern kreidet seine Verfehlungen anderen an.

Ich möchte deshalb aus meiner Perspektive erzählen, wie einfach es ist, zu betrügen, wenn man über die personellen Ressourcen verfügt, die eigenen Mitarbeiter zur Mittäterschaft zu nötigen.

Ich habe 2007 auf Geheiß des Verlegers und auf Drängen der damaligen Anzeigenleitung, ein Preisausschreiben im schwulen Reisemagazin Spartacus Traveler fingiert. Zugunsten des Bosses. Das tut mir leid.

Mein Name ist Robert Niedermeier und habe mich schuldig gemacht. Leider kann ich meine Hände nicht in Unschuld waschen, denn ich bin Mittäter, einer von wenigen Eingeweihten, die sich von Bruno Gmünder dazu anstiften ließen, eine Fernreise nach Australien zu erschleichen. Ich gestehe, ich hätte lauter protestieren sollen, versuchen, den skandalösen Vorfall öffentlich zu machen, vielleicht hätte ich das faule Unding verhindern können. Doch selbst den Vertrag auflösen, den Job freiwillig hinschmeißen, das war kaum möglich: Ich war neu in Berlin, da erst kurz nach Silvester vom Kölner Rhein an die Berliner Spree gezogen, um die leitende Position im Verlagshaus anzutreten. Der Winter 2006/2007 war zwar ein ungewöhnlich milder Berliner Winter, die Nächte spannend und die Tage urban-pulsierend, wovon aber die Miete in Friedrichshain bezahlen, die Lebensmittel einkaufen, die Steuern ans Finanzamt abführen, die zeitverzögert anfallen, wenn man fern der alten Heimat Rhein-Ruhrgebiet als “Freiberufler” in einem mäßig honorierten “Projektvertrag” feststeckt? Unter lauten Protest, den Job hinzuschmeißen, das habe ich mir letztendlich nicht zugetraut. Dazu fehlte dann doch der Mut.

Voll im Trend der Nullerjahre: Prekär beschäftigt an der Spree

Auf meine alten, allesamt in NRW agierenden Klienten konnte ich nicht zugreifen. Zwischen Dortmund und Köln kümmerte ich mich bis dato hauptberuflich um die regionale PR-Arbeit von diversen angesagten Partyveranstaltern, Clubs und Kulturschaffenden oder schrieb für Städte-Magazine, queeren Medien und lokalen Tageszeitungen. Ich war neu im Reisejournalismus, erfuhr erst nach der Zusage und im Anschluss meines Umzugs gen Berlin, dass ich keine Festanstellung als Chefredakteur antrete, sondern lediglich einen Projektvertrag unterschreiben soll. Im Impressum sei ich schließlich als Chefredakteur geführt, redetet mir Geschäftsführer Taubenheim die böse Überraschung schön: Ich könnte an Recherche-Reisen teilnehmen ohne Urlaubstage nehmen zu müssen, und auch sonst sei ich eigenverantwortlich, hätte die freie Arbeitsplatzwahl, es bestehe für mich keine Anwesenheitspflicht, könnte frei über meine Zeit verfügen: “Hauptsache das Heft ist pünktlich fertig”, sagte Taubenheim jovial und schmeichelte: “Du bist das neue Gesicht vom Spartacus Traveler, dein Name repräsentiert uns künftig in aller Welt.” Ja verdammt, ich ließ mich darauf ein, meine Eitelkeit obsiegte über meine eigenen sozialpolitischen Vorsätze als auch arbeitsrechtlichen Ansprüchen gegenüber einem neuen Arbeitgeber. Prompt fand ich mich fortan in einer unangenehmen Situation wieder. Als ich von Anfang 2007 bis Herbst 2008 für den Berliner Bruno Gmünder-Verlag als “freiberuflicher” Chefredakteur einen Vollzeit-Job erledigte, lag ich aber durchaus im Trend. Befand ich mich doch nun selbst in der seit den Nullerjahren typischen Lage eines prekär beschäftigten Medien-Proleten wieder,  der wie so viele andere in ein nicht sonderlich faires Abhängigkeitsverhältnis gedrängt worden ist.

Der “Gewinner” stand längst fest: Das faule Ding mit Down Under

TUI-Traumreise auf dem Spartacus Traveler-Titel

TUI-Traumreise auf dem Spartacus Traveler-Titel

Im Januar 2007 übernahm ich als euphorischer Nachfolger des unfair geschassten Spartacus Traveler-Chefredakteurs Jürgen Bienik den aufregenden Posten. Bereits unter meinem Vorgänger verloste das für eine schwule Leserschaft ausgerichtete, sechsmal pro Jahr publizierte Reisemagazin, eine TUI-Traumreise für zwei Personen. Thematisch saisonal sollte der Gewinn für zwei ins jeweils aktuelle Heft passen: Die in jedem Heft von TUI Hannover gesponsorten Reisen für eine (möglichst schwule) männliche Person mit Begleitung zu einem angesagten schwulen Traveller-Hotspot waren begehrt. Kein Wunder, handelte es sich doch um ein hochwertig dotiertes Preisausschreiben, das sogar neue Spartacus Traveler-Käufer zu locken vermochte. Eine regelmäßige Aktion dieser Art bindet zudem die Abonnenten am Produkt, verheißt greifbares Glück, stellt eine glaubwürdige Identifikation zum Blatt her, schließlich bauen “Geschenke” und “Aufmerksamkeiten” Vertrauen zum Leser und zur Zielgruppe allgemein auf. Doch als wir eine Australien-Reise nach Sydney auslobten, verspürte auch der Verlagsinhaber höchstpersönlich Lust auf eine kostenlose Urlaubsreise. Der damalige Anzeigenleiter und heutige Dog & Travel-Herausgeber Thomas Purz (Keine Satire!!!) schickte seinen Quasi-Assistenten vor, um es dem zugegebenermaßen impulsiven Spartacus Traveler-Chefredakteur schonend beizubringen: Nicht ein Leser solle die Reise nach Down Under gewinnen, sondern der Chef selbst den Traumtrip antreten. Natürlich müsse das diskret ablaufen. Ich war schockiert, ob der anrüchigen Anweisung von oben.

Auf Teufel komm raus ein Arschloch sein – ist das professionell?

Zwar war es nicht das erste Erlebnis in diesem Verlagshaus, welches mich in Erstaunen versetzte, doch zu einem Akt der Korruption und vorsätzlicher Lesertäuschung angestiftet zu werden, das ist eine wirklich krasse Nummer. Dazu ist kriminelles Potential von Nöten. Für mich offenbarte sich eine neue Dimension von skrupelloser Gier, ich erkannte eine Grenzüberschreitung des Anstandes hin zur Korruption, sah einen Verstoß gegen die guten Sitten und einen ungeheuerlichen Vertrauensbruch gegenüber den Kunden. Tja, und mit Journalismus im Sinne von journalistischer Ethik hatte das Ganze schon mal gar nichts mehr gemein. Ich sprach von Moral, mein Gegenüber appellierte an meine Professionalität. Andere Gemeinheiten fielen mir am Schoßhündchen Purz und seinem Mentor Gmünder zuvor bereits auf. Subtiles Mobbing, böse Sticheleien und offen dargebotene Aggression bestimmten darüber hinaus das meines Erachtens furchtbare Arbeitsklima in diesem reinen Männerbetrieb. Nichtsdestotrotz dachte ich mir; wer im globalen Biz so lange besteht, muss wohl so hart drauf sein. Bildete mir ein, meine vorigen Stellen als Chefredakteur bzw. Redaktionsleiter, etwa bei der Essener Smag, seien eben im Gegensatz zur neuen, im geradezu kuscheligen, gemütlichen Rahmen verlaufen. Aber nein, auf Teufel komm raus stets ein Arschloch sein, für mich ist das nichts. Das verursacht doch sicherlich üble Magenschmerzen oder schlechte Träume. Entweder musste ich jetzt sofort raus aus der Nummer oder den Betrug verhindern. Ich suchte einen Ausweg. Sodann rief ich bei der nächsten unbeobachteten Gelegenheit in Hannover an. Ole K., damals bei der TUI für diverse Formen der Medien-Kooperationen zuständig und selbst schwul, ging ans Telefon…

Fortsetzung folgt… Bis dahin etwas Musik

Korrupt: Reiserobby erzählt ein Erlebnis aus seiner kurzen Zeit als Chefredakteur des schwulen Reisemagazins Spartacus Traveler

Korrupt: Reiserobby erzählt ein Erlebnis aus seiner kurzen Zeit als Chefredakteur des schwulen Reisemagazins Spartacus Traveler

Fortsetzung folgt… Sorry, muss leider wegen anderer dringender Aufgaben die Fertigstellung des Australien-Preisausschreiben-Beitrages verlegen. Es geht weiter, vor allem geht es um moralische Fragen, darf ich mich damit rechtfertigen, durch ein prekäres Beschäftigungsverhältnis in eine Abhängigkeitssituation geraten zu sein, muss man stattdessen nicht, wenn Grenzen des Anstandes überschritten worden sind, zum Deserteur werden?   Ja, ich bin so naiv, darauf zu bauen, das wir, wenn wir uns im schwulen oder queeren Kontext bewegen, als Community die Gesellschaft verbessern möchten, moralische Fragen nicht abperlen lassen dürfen, sondern wie Menschen erörtern, die etwas Gutes erreichen möchten.  Und wenn man schon Grenzen des Anstandes überschreitet, sollte man zumindest noch in der Lage sein, sich dafür aufrichtig zu schämen.

Den Anstoß dazu, meine Erinnerungen aufzuschreiben, ist der aktuelle StoppKreuz.net-Spendenskandal. Tino Henn spricht nun von einer fingerten Kostenaufstellung im Hause Bruno Gmünder, auch im Zusammenhang mit einem 6000 Euro-Honorar für Dr. David Berger als Kreuz.net-Hunter.

About Reiserobby

Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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One Response to Verlagschef Bruno Gmünder gewinnt Australienreise

  1. peter becker says:

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