Tempelhofer Feld – Freiheit statt Finanzdebakel

Berlin

Tempelhofer Freiheit bleibt frei

Wie stimmen die Bürger Berlins am Sonntag beim Volksentscheid ab? Ich jedenfalls bin gegen die Bebauung wie sie vom Berliner SPD/CDU-GroKo-Senat geplant ist und oute mich hiermit als Befürworter eines unbebauten Ex-Flugfeldes. Deshalb kreuze ich am heutigen Europawahl-Sonntag oben das "Ja" und unten das "Nein" auf dem THF-Stimmzettel an.Text/ Fotos: Robert Niedermeier

Warum? Weil mehr als eine Handvoll Argumente gegen die Senats-Pläne sprechen. Übrigens: Wer gegen die wie vom Senat geplante Randbebauung stimmt, ist keinesfalls eine asozialer Egoist, im Gegenteil. Ein Erfolg beim Volksentscheid für die Initiative von “100% Tempelhofer Feld” bietet eine große Chance für eine wirklich sozial engagierte Wohnungsbauförderung in Berlin. (Mehr dazu weiter unten Klaus Lederer von Die Linke)

THF retten. Neuköllns Baulücken schließen, Parks schützen.

THF retten. Neuköllns Baulücken schließen, Parks schützen.

Meine fünf Gründe für die Freiheit!

1. Weltweit einmalige Freifläche erhalten!

Der ehemalige Flughafen bietet als Tempelhofer Feld eine für eine Großstadt einzig- und großartige naturnahe Innenstadtfreifläche. Ein eigenes Mikro-Klima sorgt auf dem riesigen Areal für frische kühle Luft in der kompletten Innenstadt, bietet Lebensraum für die Feldlerche und andere Tier- und Pflanzenarten. Ein Stück Wildnis in der City. Die Tempelhofer Freiheit ist bereits so wie das Feld jetzt ist ein echter Touristen-Magnet.

2. Steuern sparen statt verpulvern!

Viele Millionen an Steuergelder möchte der Berliner Senat in die Erschließung des Feldes stecken, nur um wenigen Investoren finanzielle Vorteile zu verschaffen. Dabei liegt woanders in Berlin Bauland wirklich brach.

3. Nicht veräppeln lassen, sozial geht anders!

Sozialwohnungen, wirklich preiswerter Wohnraum, sind nicht geplant. Parallel veräußert die Stadt Berlin weiterhin Wohnungen an Miethaie. Das ist paradox.

4. Infrastruktur nachhaltig ausbauen!

Die Gelder, die der Senat in die Zerstörung der einmaligen naturnahen Freifläche versenken möchte, könnten zum einen besser in die Infrastruktur der Kieze Neukölln und Tempelhof gesteckt und zum anderen in den Ausbau des ÖPNV im Berliner Stadtrand investiert werden. Auch das entlastet den Druck auf die Mieten in der Innenstadt.

5. Baulücken schließen, nicht das Feld zubetonieren!

Noch immer klaffen nicht nur in Neukölln Baulücken, die genutzt werden könnten, um neue Wohnungen zu bauen. Alternativen, um mehr Wohnraum zu schaffen, gibt es haufenweise. Dezentrale Förderung wäre nachhaltiger als ein neues zentrales Großprojekt. Insbesondere nach dem Debakel vom Flughafen BER ist Vorsicht geboten.

Architekturwettbewerbswürdig: Flughafenstraße Ecke Hermannstraße

Architekturwettbewerbswürdig: Flughafenstraße Ecke Hermannstraße

Typisch Neuköllner Baulücke an der Hermannstraße Ecke Leinestraße

Typisch Neuköllner Baulücke an der Hermannstraße Ecke Leinestraße

 

Baulücken schließen, Parks schützen.

Thomasstraße zwischen Körnerpark und Thomashöhe: Baulücken schließen, Parks schützen.

Blick vom Tempelhofer Feld auf den Schillerkiez.

Blick vom Tempelhofer Feld auf den Schillerkiez.

Fünf Gründe des Berliner Senats für die Tonne!

Fünf Gründe für die Tonne!

Fünf Gründe für die Tonne!

Mehr Volksentscheid-Infos zur Abstimmung!

Was wäre, wenn…?

Was passiert, wenn die Initiative 100% Tempelhofer Feld tatsächlich erfolgreich ist? Klaus Lederer: „Ein Erfolg der „Initiative 100% Tempelhofer Feld“ hätte zunächst nur eine Folge: die Pläne des Senats zur großflächigen Randbebauung wären vom Tisch. Und ja, in den kommenden Jahren dürfte es ausgeschlossen sein,  dass hier irgendwelche Baumaßnahmen stattfinden, die nicht durch die Ziele des Gesetzes gedeckt sind. Doch Gesetze unterliegen keiner Ewigkeitsgarantie, auch keine per Volksentscheid beschlossene. Sie können geändert werden, wenn es dafür breite Mehrheiten gibt. Breite Mehrheiten wiederum wird es nur für Vorschläge geben, die durch eine breite Beteiligung zustande kommen.“ (Dr. Klaus Lederer, MdA, Landesvorsitzender, DIE LINKE. Landesverband Berlin, E-Mail-Antwort an “Reiserobby”)


Ach ja, hier ein Link zum Juni-Park

Mehr als ein Drittel will der Senat zugunsten von Investoren zubauen lassen,

Mehr als ein Drittel will der Senat zugunsten von Investoren zubauen lassen,

Über Reiserobby

Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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5 Antworten auf Tempelhofer Feld – Freiheit statt Finanzdebakel

  1. Dennis sagt:

    Wir von der IHK Berlin setzen uns für Parkplätze auf dem Feld für die anliegendnen Gewerbetreibenden ein, so könnten die Besucher der Eisdiele “erste Sahne” bequem vorfahren.

  2. Anwohner sagt:

    Hier bietet sich die Chance auf landeseigener Fläche Wohnraum zu schaffen (der günstiger zu bauen ist als auf privaten Flächen), noch dazu entstehen Arbeitsplätze, es werden Bildungseinrichtungen geschaffen, die auch von den bestehenden Kiezen genutzt werden können, Cafes am Rand, Verleihgeschäfte für Fahrräder… Ach, zerredet doch nicht immer allso, was so schön werden könnte. Und 230 ha, die frei bleiben, sind immerhin größer als der Große Tiergarten!

    • Reiserobby sagt:

      All das entsteht seit der Öffnung der Tempelhofer Freiheit als Freizeitfläche doch bereits von ganz von allein durch Nachfrage und Angebot in den Kiezen, besonders im Neuköllner Schillerkiez – ohne das Steuergelder verpulvert werden. Abermillionen sollen auf dem Feld vergraben werden, denke mal, die Schulen und Kitas, die es bereits gibt, könnten mit nur einem Bruchteil dessen, viel Gutes anstellen. Meiner Meinung nach, sollte das Feld endlich als Volkspark freigegeben werden, das macht die umliegenden Stadtteile noch attraktiver. Und die Wohnungen, die neu gebaut werden müssen, sollten dort gebaut werden, wo architektonische Notstände durch hässliche Lücken klaffen, die bisher teils nur mit Baracken aufgefüllt sind. Stadtentwicklung ist wichtig, aber doch bitte nicht auf dem “zubetonierten” Holzweg der CDUSPD.

    • Reiserobby sagt:

      Einen Termin später hat man als Anwohner eine Menge Orte in Neukölln nahe dem Tempelhofer Feld entdeckt, die unbedingt, allein schon aus ästhetischen Gründen, einer Umgestaltung würdig sind. Siehe oben, eben Post um zwei Fotos ergänzt.

    • Robert Niedermeier sagt:

      Mein Reden: “Meinen es Senat und Bezirke tatsächlich ernst mit der Bekämpfung der Wohnungsnot, dann müssen sie auch den internen Kampf beenden um die Ausgestaltung der bereits im Wahlkampf vor zwei Jahren angekündigten Liegenschaftspolitik. Denn der landeseigene Liegenschaftsfonds hat Bauflächen in Hülle und Fülle im Angebot: „Rund 240 Grundstücke haben wir identifiziert, die für den Wohnungsbau geeignet“ sind, heißt es dort auf Anfrage. Über den Verkauf von 150 Grundstücken verhandle der Fonds mit landeseigenen Firmen. Es gibt Bauland in besten Lagen: „in Pankow, Steglitz-Zehlendorf, Mitte und Treptow-Köpenick“. Doch beurkundet seien gerade mal zwölf Verträge – und überhaupt nur 32 für die Übertragung an landeseigene Wohnungsbaugesellschaften bisher vorgesehen.” http://m.tagesspiegel.de/berlin/wohnungsbau-berlin-hat-genug-bauflaechen-aber-keinen-plan/9959122.html

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