Willkommenskultur: Eine Dankeschön an die nach Deutschland geflüchteten Menschen

Gesellschaft

Die Guten gewinnen

Danksagungen an die vielen freiwilligen Flüchtlings-Helfer kann es nicht genug geben. Ein Dankeschön gilt jedoch auch den Menschen auf der Flucht. Dafür, dass sie allen BRD-Bürgern eine Chance bieten, sie mit Herz und Verstand willkommen zu heißen. Das wird dieses Land zum Besseren verändern. Text/ Foto: Robert Niedermeier

Es gibt sie, die guten Menschen. Sie reparieren ehrenamtlich Fahrräder für Neuberliner, beherbergen obdachlose Syrer, Afghanen und Iraker in ihren Privatwohnungen, unterrichten die deutsche Sprache, begleiten bei Behördengängen, spenden und organisieren bundesweit Bürger-Initiativen. Praktisch umgesetzte Willkommenskultur. Ein Danke ist für dieses höchst zivilisierte Bürger-Engagement verdient.

„In Deutschland gibt es Menschenrechte“ – darauf gilt es zu vertrauen

Ich wohne in Berlin-Neukölln, besuchte im Spätsommer das Willkommensfest auf der Tempelhofer Freiheit, fahre mit dem Fahrrad fast täglich an den Notunterkünften am Columbiadamm vorbei, spendete hier ein wenig Winterkleidung oder dort ein paar Hygieneartikel und sehe im Fernsehen die Reportagen von der „Balkan-Route“. Frierende Menschen, die nicht verzweifeln, weil ihnen noch die Hoffnung bleibt, blicken hilfesuchend in die Kameras, sprechen flehend in die Mikrofone. Eine syrische Frau mit Hidschāb antwortet auf die Frage, warum sie nach ihrer Flucht aus dem Kriegsgebiet Syrien auch das türkische Flüchtlings-Camp verließ, um sich auf den beschwerlichen Weg nach Europa zu begeben: „In Deutschland gibt es Menschenrechte“, sagt sie und erklärt; wo sie herkomme, gäbe es „keine Schule für die Kinder, keine Sicherheit und keine Zukunft mehr.“ Menschen auf der Flucht vertrauen darauf, dass ihnen die BRD eine Perspektive auf einen Neuanfang bietet.

Flüchtlingen die Schuld in die durchnässten, löchrigen Schuhe schieben

Naiv sind die aus Konfliktzonen geflüchtete Menschen nicht. Dank Smartphone und Internet wissen die Neubürger bereits vor der Ankunft in Deutschland darüber bescheid, dass schlechte Nachrichten die guten Taten nur allzuoft überschatten. Sogenannte „Flüchtlingskritiker“ ergehen sich in Spott und Häme über die als „Gutmenschen“ denunzierten Helferinnen, andere “Asylgegner” verüben Attentate auf Journalistinnen und Politikerinnen. In Folge droht eine rassistisch aufgeladene Angst-Debatte die Seele der BRD zu beschädigen. Während Brandanschläge auf Notunterkünfte und rechtsradikal motivierte Menschenjagden tatsächlich stattfinden, erklärt Jens Spahn (CDU) auf allen Medien-Kanälen „importierte Homophobie“ und das Grundrecht auf Asyl zum Problem. Über deutsche Waffenexporte hört man den katholischen Karrieristen aus Westfalen indes selten klagen. Probleme gibt es wirklich zuhauf: Wohnungsnot, Kita-Mangel, Arbeitslosigkeit, Alters- und Kinderarmut, Obdachlosigkeit, Pflegenotstand usw. – doch diese Defizite sind alle hausgemacht. Jetzt ist die Chance greifbar, es besser zu machen, statt die Schuld für Versäumnisse der Gesundheits-, Bildungs- und Sozialpolitik den Hilfesuchenden feist in die durchnässten, löchrigen Schuhe zu schieben.

Viele wollen bleiben: Aus “Flüchtlingen” werden gleichberechtigte Bürger

Gut die Hälfte der geflüchteten Menschen, da sind sich Soziologen, Historiker und demokratische Politiker einig, werden in Deutschland als Einwanderer bleiben. Aus „Flüchtlingen“ werden dann Bürger, die gleichberechtigt an der demokratisch und rechtsstaatlich verfassten Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland teilhaben. Sie akzeptieren Homosexualität, Frauenrechte und die Vielfalt einer bunten, freien Gesellschaft. Wie alle demokratisch gesinnten Bürger, im Glauben an die universellen Menschenrechte und in der Gewissheit, dass diese im bundesdeutschen Grundgesetz unumstößlich festgeschrieben sind. Mit umzäunten Internierungslagern, meine persönliche Meinung, sollte die vielbeschworene Integration ins Gemeinwesen nicht beginnen.

“Der Schutz der Menschenwürde jedes einzelnen, muss ein Grundpfeiler unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens sein….

Posted by Jenny Renner on Donnerstag, 5. November 2015

Werte Zufluchtsuchende, danke für ihr großes Vertrauen

Ich wünschte mir, dass alle Bürger den Zufluchtsuchenden das Vertrauen entgegenbringen, dass sie unserer Gesellschaft bereits in dem Moment schenken, da sie Zuflucht in der BRD suchen. Ich möchte mich deshalb bei allen Menschen bedanken, die bei “uns” Zuflucht gefunden haben. Danke für ihr Vertrauen. Und ein Dankeschön dafür, dass Deutschland die große Möglichkeit geboten wird, sich als demokratisch gefestigte, pluralistisch verankerte und friedlich-humanistische Heimat zu beweisen. Ganz im Sinne des deutschen Grundgesetztes: “Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden…”

P.S. Übrigens: Singende Politiker mit Herz, Verstand und einem Hang zum melodiösen Kitsch sind mir persönlich viel lieber als geifernde Rechtspopulisten…

About Reiserobby

Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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