Ist Kinderarbeit bei Clickworker Kinderarbeit?

Keine Freizeit

Kinderarbeit ist kriminell

Keine Freizeit, kein Spielen, keinen Spaß, keine Kindheit. Kinderarbeit hat viele Gesichter, zumeist brutal. Selbst Clickworker, der digitale Arbeitgeber für Freelancer aus dem deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen bietet Kinderarbeit an. Ganze Sätze von Kinderstimmen gesprochen werden gesucht. Anlass genug, in diesem Post über Kinderarbeit zu berichten, die mir auf meinen Reisen facettenreich begegnet ist. Text: Robert Niedermeier

Kinderarbeit kenne ich aus meiner eigenen Kindheit zu genüge. Im elterlichen Betrieb dem Papa beim Fegen der Außenbereiche unserer Ausflugsgastronomie helfen, der Mama helfen, Gläser abzuräumen und Tische mit Lappen feucht zu reinigen, tausende Grillwürste zubereiten und feilbieten, Hektoliter Bier zapfen, Schnaps ausschenken und in der Küche Hausmacher Wurstplatten belegen. Das alles durfte ich schon machen, da war ich noch keine zwölf Jahre alt. Hat es mir geschadet? Ich denke schon, ein bisschen zumindest. Normale Wochenenden, an denen man mit der ganzen Familie gemeinsam etwas unternimmt, außer eben zusammen zu malochen, kannte ich vor 40 Jahren eigentlich nicht.

Kinderarbeit ist antisozial und macht Kinder krank

Im Gegensatz zu den Kindern in Südwest-Afrika, Indien, Südostasien, Südamerika oder den Nahen Osten, denen ich später auf Reisen beim Arbeiten zuschauen musste, ging es mir damals als regelmäßig gewerblich arbeitendes Kind noch relativ gut. Doch Kinderarbeit ist zurecht verboten, Kinderarbeit ist körperliche und seelische Ausbeutung von schutzbedürftigen Personen.

Crowdwork von Clickworker jetzt auch für die ganz Kleinen

Umso erstaunter war ich heute Nachmittag als mich via E-Mail-Verteiler folgende zynisch-freundliche Einladung von Clickworker zur Kinderarbeit, besser gesagt, zum Verkauf der Stimmen von im Haushalt vorhandenen Kindern erhielt. Schließlich richtet sich folgende Einladung des Crowdworking-Unternehmers an Erwachsene, die ihre eigenen Kinder für den mit insgesamt fünf Euro honorierten Job einspannen sollen, diverse Sprachaufnahmen der Kleinen für die Entwicklung von KI-Systemen für sehr wenig Geld zu verramschen.

Clickworker braucht Kinderstimmen

Kinder einspannen bei der Heimarbeit

Liebe Clickworker,

Haben Sie bereits das neue Audio-Projekt entdeckt, welches sich speziell an die Eltern unter Ihnen richtet?

Die Rede ist hier von “Lassen Sie Ihr Kind im Alter von 8-13 Jahren 40 kurze Sätze einsprechen!”, welches mit 5€ vergütet wird.

Die Aufgabe Ihres Nachwuchses besteht darin, zwei Sätze jeweils 20-mal vorzusprechen. Die Sprachaufnahmen werden nur zur Weiterentwicklung von KI verwendet und nicht veröffentlicht. Bevor Sie durchstarten können, ist es erforderlich, eine Einverständniserklärung auszufüllen. Ihre Daten werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt.

Starten Sie im Team mit Ihrem Kind durch! Das Projekt wartet bereits im Workplace auf Sie.

Viel Spaß!
Ihr clickworker-Team

Zu verantworten hat diese unverantwortliche Anstiftung, die eigenen Kinder zur Kinderarbeit zu nötigen, die Geschäftsführung von Clickworker aus Essen: Christian Rozsenich werde ich nicht fragen, was der Clickworker-Boss davon hält. Er schiebt nämlich bereits in der Einladung die Verantwortung an die Eltern des “Nachwuchses” ab. Überhaupt  halten die Anbieter digitaler Arbeit von Arbeitnehmerrechten und Arbeitsschutz reichlich wenig. Das störte bloß die Ausschöpfung von Arbeitskraft auf dem schlecht regulierten freien Markt. Global betrachtet kann man die Ausbeutung von Kindern durch Clickworker und ähnlichen Anbietern durchaus relativieren. Schöner, humaner und kinderfreundlicher wird Kinderarbeit durchs Verharmlosen aber nicht.

Fortsetzung folgt…

About Reiserobby

Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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