„Waldschlösschen“-Appell warnt vor Verharmlosung von Homosexuellen-Feindlichkeit

BLSJ: Waldschlösschen-Appell

Doch schützt der Appell auch Transpersonen?

Gehöre zwar zu den Erstunterzeichnern des Appells, doch ich möchte darauf hinweisen, im Vorfeld den Versuch unternommen zu haben, die konsequente Negierung von Trans* entgegen zu wirken. Es war erneut aussichtslos, weil lesbisch-schwule Meinungsmacher traditionell keinen Wert darauf legen, sich eindeutig mit Trans* zu solidarisieren. Das ist schade und muss sich radikal ändern. Dass ich Meinungsverbote grundsätzlich ablehne, habe ich zudem geäußert: Wer jedoch, wie die TV-Sender, keine Faschisten in Talkshows einlädt, die sich rassistisch oder antisemitisch äußern, sollte auch dann die selben Maßstäbe anlegen, wenn es um Homo-, Bi- und Trans*-Feindlichkeit geht.

Was mich allerdings wirklich stört…

Als besonders ärgerlich empfinde ich die Tatsache, dass selbst der BLSJ – und leider wiederholt – Trans-Personen bewusst ignoriert. Dabei sind es Trans-Menschen, die in den Medien nach wie vor entweder als Freaks, Prostituierte oder gestörte Kriminelle überzeichnet werden. Solidaritätsbekundungen von Seiten lesbisch-schwuler Meinungsmacher fallen eher spärlich aus. Dabei waren es Trans*, die der lesbisch-schwulen Bewegung den CSD beschert haben. Trotzdem: Trans* wird konsequent ausgeschlossen, das hat Methode, nicht nur beim BLSJ, dem Trans* beim Felix-Rexhausen-Medienpreis lediglich eine “Sonder”-Kategorie wert ist.

Bierselige Zustimmung auch auf schwuler Seite gegen Trans*

Erlaube mir deshalb anlässlich des gänzlich trans*freien und rein lesbisch-schwulen Appells, eine kleine Randbemerkung zu lesbisch-schwulen Lebenswirklichkeiten und Trans* im Journalismus zu formulieren: Beim Berliner BLSJ-Treffen (öffentlich annoncierter “Stammtisch”) im April 2013, wies ich als BLSJ-Mitglied in der Neuköllner Kneipe “Sandmann” in Anwesenheit von Blogger Johannes Kram und den Ex-BLSJ-Vorstände Nicole Koenecke sowie Dennis Pfeiffer-Goldmann auf den Missstand hin, dass eine BLSJ-Initiative abermals und ausdrücklich Trans* nicht berücksichtigte. Im arroganten Tonfall erwiderte Koenecke: “Die Lebenswirklichkeiten von Lesben und Schwulen stimmen doch mit denen von Transen gar nicht überein”, und stellte die süffisante Gegenfrage: “Gibt es überhaupt Transen im Journalismus?” Die Kollegin konstatierte sodann mit einem Grinsen: “Das zu überprüfen, dürfte schwierig werden…”, und imitiert einen beherzt übergriffigen Griff zwischen die Beine einer imaginären Trans*-Person. Bierselige Zustimmung für die Ansicht einer engagiert-transphoben lesbischen Journalistin überwog im Falle Trans* auch auf Seiten der schwulen Kollegen wie dem feisten Dennis Pfeiffer-Goldmann. Ich betonte in der siebenköpfigen Gesprächsrunde, dass das Thema damit aber noch nicht vom Tisch sei…

Endlich queere Lebenswirklichkeiten anerkennen

Deshalb meine Frage an dieser Stelle: Schützt der Appell eigentlich auch Trans*? Eher nein, weil die schließlich nicht zunehmend im Mittelpunkt der Medienberichterstattung stehen? “Der Appell” bleibt die Antwort jedenfalls schuldig. Es würde mich sehr freuen, wenn sich der BLSJ queeren Lebenswirklichkeiten annäherte und künftig verstärkt den themenspezifischen Belangen aller LGBTIQs widmete. Im BLSJ wird gerne das Argument angeführt, dass man Trans* solange ignoriert, bis eine Transperson Mitglied wird, weil das ja sonst vereinnahmend und übergriffig sei. Aber das Argument ist ein sehr scheinheiliges, weil man durch den konsequenten Ausschluss, Transen geradezu auslädt. Der BLSJ muss sich öffnen. Als vereinnahmend und übergriffig könnte ich es auch ansehen, in einem Topf mit Lesben geworfen zu werden. Aber darum geht es nicht, es geht darum, nicht per se auszugrenzen und sich queeren Realitäten anzunähern. Und Trans* gehört definitiv dazu. Der Name des Journalisten-Bundes muss dafür nicht geändert werden, aber die Haltung dahinter. Danke.

Folgend BLSJ-Pressemitteilung, komplett zitiert…

„Nein“ zur Diffamierung von Lesben und Schwulen in den Medien:

„Waldschlösschen“-Appell warnt vor Verharmlosung von Homosexuellen-Feindlichkeit

Über hundert Journalisten, Medienmacher und gesellschaftliche Organisationen warnen vor verstärkten Anfeindungen von Lesben und Schwulen in deutschen Medien. Im sogenannten „Waldschlösschen-Appell“, der von dem Berliner Blogger Johannes Kram initiiert und vom Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ) unterstützt wurde, fordern die Unterzeichner, dass diskriminierende Anfeindungen gegen Homosexuelle in den Medien genauso gekennzeichnet werden, wie dies bei rassistischen, sexistischen oder antisemitischen Aussagen geschieht.

„Waldschlösschen“-Appell warnt vor Verharmlosung von Homosexuellen-Feindlichkeit Über hundert Journalisten, Medienmacher und gesellschaftliche Organisationen warnen vor verstärkten Anfeindungen von Lesben und Schwulen in deutschen Medien. Im sogenannten „Waldschlösschen-Appell“, der von dem Berliner Blogger Johannes Kram initiiert und vom Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ) unterstützt wurde, fordern die Unterzeichner, dass diskriminierende Anfeindungen gegen Homosexuelle in den Medien genauso gekennzeichnet werden, wie dies bei rassistischen, sexistischen oder antisemitischen Aussagen geschieht.Johannes Kram: „Keine Redaktion lädt einen Rassisten in eine Talkshow ein und bringt ein Rassismus-Opfer in die Situation, sich für seine Hautfarbe rechtfertigen zu müssen. Schwulen und Lesben passiert aber Vergleichbares immer wieder.“ Ein gutes Beispiel hierfür sei eine Folge der Talkshow „Hart aber fair“ im letzten Dezember, in welcher der Moderator nach einem Einspielfilm über einen lesbisch-schwulen Weihnachtsmarkt die Frage diskutieren ließ: „Wieso fordert eigentlich jemand gleiche Rechte, wenn er sonst so viel Wert aufs Anderssein legt?“ Kram: „Viele Medien tun immer noch so, als ob die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen eine Frage der Ästhetik und des Zeitgeistes und nicht eine Frage von Bürgerrechten sei.“

Nicole Koenecke, Vorstandsmitglied des BLSJ: „Es geht nicht darum, andere Meinungen zu bekämpfen. Wir begrüßen eine kontroverse Diskussion um die politische und juristische Ausgestaltung der Rechte Homosexueller. Wir müssen aber klarstellen, wann eine Aussage keine Meinung mehr ist, sondern eine Diffamierung.“ Laut Appell gehören hierzu Aussagen wie Homosexualität sei widernatürlich,  Homosexualität sei eine Entscheidung und Homosexualität sei heilbar. „Es reicht nicht mehr, die Klischees zu bekämpfen, mit denen Homosexuelle in den Medien immer wieder herabgewürdigt werden. Wir müssen eine rote Linie definieren, die unserer Meinung nach nicht überschritten werden darf.“

Unter den Erstunterzeichnern finden sich fast alle lesbischen und schwulen Medien, der Gesamtverbund der AIDS-Hilfen, die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld sowie renommierte Medienmacher wie die taz-Chefredakteurin Ines Pohl, der Film-Regisseur Marco Kreuzpaintner, die Sängerin Marianne Rosenberg und der Journalistik-Professor Stephan Weichert. „Der Appell wurde begründet bei einem Treffen homosexueller Medienleute in der „Akademie Waldschlösschen“.

Die Initiatoren des Appells rufen dazu auf, diesen Appell zu unterstützen. Auf der Internetseite www.der-appell.de besteht die Möglichkeit, sich online in die Liste der UnterstützerInnen einzutragen.

Drei Forderungen an die Medien

Der „Waldschlösschen-Appell“ gegen die Verharmlosung homosexualitätsfeindlicher Diffamierungen

Lesben und Schwule stehen aufgrund der Diskussion um die rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften im Fokus der Medienöffentlichkeit. Wir begrüßen eine breite Diskussion um die politische und juristische Ausgestaltung der Rechte Homosexueller.

Wir wehren uns jedoch dagegen, dass Argumentationsmuster, die der Diffamierung der Identität Homosexueller dienen, weiterhin als „Debattenbeiträge“ oder „Meinungsäußerungen“ verharmlost werden.

Wir warnen vor verstärkten Homosexualität herabwürdigenden Anfeindungen, wenn viele Medien weiterhin Angriffe auf die Würde und die Menschenrechte Homosexueller als Teil des legitimen Meinungsspektrums bagatellisieren.

Hierzu gehören Aussagen wie:

·      Homosexualität sei widernatürlich

·      Homosexualität sei eine Entscheidung

·      Homosexualität sei heilbar

·      Heterosexuelle Jugendliche könnten zur Homosexualität verführt werden

·      Homosexualität sei eine Begünstigung für sexuellen Missbrauch

·      Die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften sei eine Gefahr für die Gesellschaft (etwa, weil durch sie weniger Kinder geboren werden würden)

Wir fordern Journalistinnen und Journalisten dazu auf,

1.    solche Aussagen deutlich als diskriminierende Anfeindungen zu kennzeichnen und zu verurteilen (so wie es auch etwa bei rassistischen, sexistischen oder antisemitischen Anfeindungen geschieht),

2.    Vertretern solcher Aussagen keine Plattformen zu bieten, so lange sie sich nicht klar von ihnen distanzieren,

3.     Homosexuelle in Beiträgen und Diskussionen nicht länger in die Situation zu bringen, sich für ihre sexuelle Orientierung rechtfertigen zu müssen.

Die Liste der Erstunterzeichner erhalten Sie im Anhang dieser Pressemitteilung und online auf www.der-appell.de.

Für Fragen und weitere Informationen stehen Ihnen zur Verfügung:

– Johannes Kram, Initiator / Nollendorfblog.de,  presse@der-appell.de

– Nicole Koenecke, Vorstand BLSJ, Telefon:  presse@der-appell.de
Mit freundlichen Grüßen,
———————————————————————————
BLSJ Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen e.V.
Postfach 19 01 39
50498 Köln
info@blsj.de
www.blsj.de
www.facebook.de/blsj.de

Zitat-Ende

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Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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