Gekaufte Facebook-Likes: Erektionsprobleme bei Männer?

Medien

Der große Schwanzvergleich

Glaubwürdigkeit ist ein hohes Gut im Journalismus. Der Wettbewerb gehört allerdings auch zum Geschäft. Der Verdacht liegt nahe, dass das Schwulenmagazin Männer seine Facebook-Likes fingiert. Alle Indizien sprechen dafür. Eine Bestandsaufnahme. Text: Robert Niedermeier, Fotos: Screenshots via M-Männer.de, Facebook

David Berger, umstrittener Chefredakteur des fragwürdigen, da dank seines Zutuns mehr und mehr in rechtskonservative Gefilde abdriftenden Schwulenmagazins Männer (Bruno Gmünder Verlag), ist ein Befürworter von Testosteron-Therapien. Allem Anschein nach greift er aber zu ganz anderen Potenzsteigerungsmitteln, um einen Schwanzvergleichswettbewerb anderer Natur zu seinen Gunsten zu entscheiden. Es geht ihm dabei um “Fans” und “Likes”, vor allem um die Dominanz gegenüber dem LSBTIQ-Nachrichtenportal Queer.de.

Maßstab des Erfolges: “Likes” für die Facebookseite

Da es mit den Verkaufszahlen im Print-Bereich stets bergab geht, versucht auch Männer seit geraumer Zeit im Online-Sektor Fuß zu fassen. Die mit reißerischen, vornehmlich gegen Linke, queere “wirre” Theorien und Moslems agitierenden Posts umgesetzte Kooperation mit dem deutschen Ableger der Huffington Post gehört ebenso zur Strategie, wie die im SoMe (Sozialen Medien) von Dr. David Berger vorangetriebenen, fortgesetzten Angriffe gegen den Konkurrenten Queer.de. Inhaltlich kann Männer meines Erachtens nicht mithalten, wohl deshalb definiert Berger die “Likes” für die Männer-Facebookseite als Maßstab seines Erfolges.

Zum Wochenende bläst die Männer-Redaktion am 14. November 2014 also wiederholt zum erneuten großen Schwanzvergleich:
>WER MACHT DAS RENNEN?
Männer Magazin 9993 Fans und queer.de 9990! Wer macht das Rennen. Wir drücken uns die Daumen ;-).<

Post auf Männer-Facebookseite: Wer macht Rennen?

Post auf Männer-Facebookseite: Wer macht Rennen?

Ja, Männer mögen Schwanzvergleiche, doch sie können in die Hose gehen

Schauen wir uns darum zunächst den Erektionsverlauf von Queer.de an. Der steile Abschwung am Sonntag ist mit der allgemein geringen Leser-Frequentierung an einem bürofreien trüben Novembermorgen zu erklären. Das Beispiel von Queer.de zeigt ansonsten ein eher konstantes Wachstum mit den im Normalbereich liegenden Schwankungen bei besonders starken Storys – und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gänzlich ohne gekaufte Likes und zudem ohne Sponsored Stories.

Wachstumsrate auf Facebook für Queer.de

Wachstumsrate auf Facebook für Queer.de

Derart künstlich nach oben gepimpt sieht dagegen die Wachstumsrate von Männer im Vergleichszeitraum aus:

künstlicher Anstieg, der Verdacht, das da fingiert wurde, drängt sich nahezu auf

künstlicher Anstieg, der Verdacht, das da fingiert wurde, drängt sich nahezu auf

Sorry, aber der Verdacht, dass da fingiert worden ist, drängt sich nahezu auf. Die Statistiken sind öffentlich nachzuprüfen: https://www.facebook.com/maenner.magazin/likes. Eine 500-prozentige Like- bzw. Fan-Anzahl-Steigerung für die Facebookpage, ist in diesem kurzen Zeitraum durch etwaige “starke Storys” nicht zu erklären. Es ist vielmehr eine ausgeprägte Unregelmäßigkeit, ein aus dem Nichts aufbrausender Like-Tsunami. Die Diskrepanz zwischen der hoch schnellenden Anzahl an Page-Likes für die Seite insgesamt und dem im selben Zeitraum weitaus geringeren Anstieg an “Gefällt mir”-Angaben für einzelne Posts ist eklatant. Käuflich erwerben kann die “Facebook-Likes” jeder Hannes, für schlappe 34,99 Euro bekommt man 500 gefakte Fans. Etwa hier auf https://facebook-likes-kaufen.eu/. So günstig ist im echten Leben keine Penisverlängerung. Virtuell schindet das Eindruck. Jedenfalls ist die gespielte Freude groß als der Admin auf der Facebook-Seite von Männer ein Freudentropfen zum Dank an alle vergießt, “die hier mitlesen, liken, teilen und so unsere Internet-Community jeden Tag bereichern!”

Männer freut sich über vermeintlich gewonnenen  Schwanzvergleich

Männer freut sich über vermeintlich gewonnenen Schwanzvergleich

Die Realität jenseits der Scheinheiligkeit sieht indes ganz anders aus. Auf der Statistikseite http://www.similarweb.com können geneigte Publizisten Webseiten-Traffic checken und vergleichen. Queer.de verbucht allein im Oktober 2014 knapp 500.000 Besucher, Männer dümpelt weit abgeschlagen in wenig virilen, geschweige denn potenten Niederungen.

Queer.de haushoch überlegen, auf der statistikseite http://www.similarweb.com/ kann man webseiten-traffic checken und vergleichen

Queer.de haushoch überlegen, auf der statistikseite http://www.similarweb.com/ kann man webseiten-traffic checken und vergleichen

Und werfen wir doch zum Schluss noch einen Blick auf die Follower bei Twitter. Männer kann hier https://twitter.com/MagazinMaenner mit ganzen 64 treuen Folgern glänzen, Queer.de muss sich hingegen auf seinem Twitter-Profil https://twitter.com/queer_de mit wenigen 7506 Followern begnügen. (Stand: 16. November, 14.45 Uhr)

Frage: Ist es “sexy”, sich mit Facebook-Likes zu brüsten, ist es “schlau”, obwohl man offensichtlich mit dubiosen Methoden arbeitet, die auch noch leicht zu entlarven sind, und ist es wirklich “schwul”, seine wenigen schwulen Leser offenbar zu täuschen? Ich meine: Verarschen können wir uns auch alleine.

UPDATE: Queer.de hat den Wettbewerb via eigener Startseite angenommen, setzt auf die Treue der vielen echten LeserInnen. Den virtuellen Schwanzvergleich hat das Portal bereits am Wochenende gewonnen. Die Fan-Anzahl für die Facebookseite von Q. haben die von Dr. M längst wieder überholt. Ehrlichkeit währt eben doch am Längsten.

Ist Facebook-Likes kaufen legal?

>Aktuelle Gerichtsentscheidungen geben einem Like keine große Bedeutung. Anders sieht das natürlich bei dem persönlichen Empfinden aus. Ein Likes sagt oft viel über eine Person aus. Das LG Hamburg entschied hierzu am 10.01.2013 (LG Hamburg, Urteil v. 10.01.2013, Az. 327 O 438/11), dass ein „Gefällt mir“ Button lediglich eine unverbindliche Gefallensäußerung darstellt, welche keine wettbewerbsrechtliche Irreführung darstellt. Die persönliche Bedeutung von Likes und Fans Die Frage ob das Kaufen von Likes und Fans legal ist, stellen sich die Nutzer und Käufer immer wieder. Oft passiert das, wenn wieder eine große Firma in der Presse ist und das Ganze „aufgeflogen“ ist. Wichtig ist natürlich, welche Bedeutung man einem Like gibt. Ein Like oder ein Fan einer Seite sagt nichts über die Qualität oder den Inhalt dieser aus. Aus der persönlichen Erfahrung weiß ich ja, wie schnell man irgendwo, teilweise auch bei unbekannten Seiten und Leuten, „Gefällt mir“ anklickt oder ein Fan wird. Und warum? Einfach nur weil es mir gefällt und genau das ist der Sinn der Likes.< (Quelle:Likeskaufen.info)

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Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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