Virunga-Massiv: Ruanda macht Gorillas Platz

Gorillas

Großes braucht Großes

Das kleine afrikanische Binnenland Ruanda hat Großes zu bieten. Die Berggorillas werden im Hügelland politisch geschützt: Im Zuge der erfolgreichen Artenschutzpolitik wird nun der Vulkan-Nationalpark enorm vergrößert und somit das Schutzgebiet für die stark behaarten Primaten um mehr als zehntausend Hektar Naturland erweitert. Gemeinden der Menschen machen im Zuge der Nationalpark-Erweiterung Platz fürs Tierreich. Text: Eyes2Market/Reiserobby/ Foto: VisitRwanda.com

Der Vulkan-Nationalpark in Ruanda erwirbt zusätzliches Wildland und vergrößert damit das Schutzgebiet für die Berggorillas um stolze 10.380 Hektar. Der Landkauf vergrößert geschützten Lebensraum, der im Bergland heimischen Gorillas. Und der Platz ist notwendig, denn die Gorilla-Population vermehrt sich prächtig im Nationalpark. Das ist der erfolgreichen Artenschutz-Politik im ostafrikanischen Binnenstaat Ruanda geschuldet. Naturschutz ist politisch gewollt in Ruanda. Die nüchternen Zahlen der ruandischen Entwicklungsbehörde (Rwanda Development Board, RDB) bestätigen, dass im Virunga-Massiv laut neuester Zählung 604 Individuen der Gorillas leben. Im Jahr 2010 wurden lediglich um die  480 Exemplare gezählt. Mehr als die Hälfte der Berggorillas leben in der Grenzregion zu den Nachbarländern Uganda und Kongo im ruandischen Vulkan-Nationalpark in 21 verschiedenen Familien.

Privat-Video gefilmt: Gorilla isst im Vulcano-Nationalparc

Verhaltensanalysen der Berggorillas verlangen mehr Land

Das schiere Bevölkerungswachstum der Gorilla-Population im Schutzgebiet war ein Argument für den Landkauf. Aber auch das Sozialverhalten der Menschenaffen verlangt nach Analysen von Wildtier-Experten mehr Platz für die einzelnen Gruppen mit ihren jeweiligen Leittieren. Eugene Mutangana, RDB-Experte für Naturschutzmanagement, sagt: „Es ist die wachsende Zahl der Tiere in Kombination mit ihrer Lebensweise, die eine Vergrößerung ihres Lebensraums notwendig macht. Dies ist innerhalb der derzeitigen Grenzen des Parks nicht mehr möglich. Das zeigt sich auch in der Interaktion zwischen den Tieren und den Kämpfen um Nahrung und Schutz des Territoriums. Manchmal kommt es sogar zu Todesfällen bei den Jungtieren. Und das kann letztlich zur Destabilisierung von Gorillafamilien führen.”

Gebirgsklima zwingt Ruandas Gorillas zum Wandern

Mutangana fährt fort: „Auch die junge, wachsende Gorilla-Population profitiert von viel Lebens- und Bewegungsraum. Im sehr gebirgigen Vulkan-Nationalpark können die Temperaturen sehr wechselhaft sein. Das ist ein Grund dafür ist, dass Jungtiere während Kälteperioden in niedrigere Gebiete des Parks abwandern und wieder zurück während der Jahreszeiten mit höheren Temperaturen. Viele tief liegende Gebiete haben derzeit nicht den Status eines Nationalparks und stehen nicht unter Schutz. Außerdem wurde mehr als die Hälfte der tiefer gelegenen Gebiete, die zum Park gehören, in den letzten Jahren von Gemeinden besiedelt.“

Win-win-Situation: Pufferzone zwischen Mensch und Tier

Die geplante Erweiterung des Parks dient  also zwei verschiedenen Zwecken: Der Vulkanpark wird um 3.740 Hektar vergrößert und damit fast 20.000 Hektar umfassen. Die restlichen 6.640 Hektar nutzt die Provinz als Pufferzone zwischen dem Park und den umliegenden Gemeinden. Der wirtschaftliche Vorteil einer solchen Knautschzone zwischen menschlichen Ansiedlungen und dem Lebensraum der Tiere ist, dass diese für eine nachhaltige Forst- und Landwirtschaft genutzt werden dürfen. Die Gorillas sind aber auch dort vor Wilderei und Raubbau der natürlichen Ressourcen geschützt.

Gemeinden der Menschen machen Platz fürs Tierreich

Die Erweiterung des Parks führt dazu, dass mehr als 3.600 Haushalte aus der Region ein neues Zuhause finden müssen. Den Menschen sollen keine zusätzliche Kosten entstehen.  Die Finanzierung für den Aufbau neuer Dörfer steht: Mit Wohngebäuden und sozialer Infrastruktur wie Schulen, Krankenhäusern und die Betreuung von nicht schulpflichtigen Kindern  sind in Planung. In einer Genossenschaft organisiert, profitieren diese neu aufgebauten Gemeinden künftig von Beschäftigungsprojekten, für die zehn Prozent der touristischen Einnahmen zur Verfügung gestellt werden sollen. Einnahmen durch Touristen, die wegen den Gorillas im Vulkan-Nationalpark nach Ruanda reisen.

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Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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