Ist das Neuköllner SchwuZ antisemitisch?

Demagogie

Dumm und Dümmer

Der alternative Kreuzberger CSD und Freundinnen sind eine Art Queer-Pegida, meint taz-Redakteur Jan Feddersen und der erst kürzlich von ihm wohlwollend interviewte Männer-Chefredakteur und Rechtspopulist David Berger pflichtet dem bekannten Deutsch-Schlager- und ESC-Experten entzückt bei. Berlin wie es singt und lacht. Text: Robert Niedermeier, Foto: öffentlicher Facebook-Post (Screenshot)

Mein Lieblingsargument des Tages: Die anderen sind wütend - aus Neid auf Einfluss.

Mein Lieblingsargument des Tages: Die anderen sind wütend – aus Neid auf Einfluss.

Jan Feddersen interviewt David Berger, David Berger lobt Jan Feddersen, beide ätzen gegen Queer, Links und Gender. Zwei Neonazis von einem braunen Blog? Nein, Berger ist (designierter) Ex-Chefredakteur der Schwulenzeitschrift Männer und Feddersen (Der Horst Mahler der Homophilenszene) Redakteur bei der sogenannten linken Tageszeitung taz. Das homosexuelle Berliner Traumpaar ist zornig und traurig, denn es hat Angst vor dem Islam. Weil jedoch linke, liberale, eben moderate Lesben und Schwule nicht aus lauter Angst vor dem Islam bibbern möchten, ist das ‘antiqueerte’ Gespann sauer auf queere Elemente in Neukölln und Kreuzberg. Denn die betrieben schließlich gegenüber deutschen Moslems eine für sie hochgefährliche, unverantwortliche Appeasement-Politik anstatt sich mit dem Staate Israel und allen Juden in Berlin zu solidarisieren. So in etwa der Grund-Tenor ihres Anliegens – das gegeneinander Ausspielen von Minderheiten. Aber immerhin, so Berger, ginge es darum, dem Siegeszug der Islamisten Einhalt zu gebieten, da der Islam die gefährlichste, “schwulenfeindlichste  aller Religionen” für deutsche Homo-Männer sei. Derart intensive, apokalyptische Vorahnungen (“Spätestens im Herbst”, so Berger, soll “es” soweit sein) auf Kosten einer Minderheit im Land sind in der Tat urst fürchterlich. Und Wut senkt zweifelsohne das Denkvermögen. Das hat die Natur so eingerichtet. Es ist eine Art Abwehrmechanismus des (unqueeren?) Mannsbildes in akuten Gefahrenlagen, das enthemmt, setzt Adrenalin frei. Wut macht aggressiv. Der Testosteron-Anwalt David Berger und ‘Menschenrechtist‘-Erfinder Jan Feddersen stehen dafür exemplarisch, obwohl die beiden Redakteure im Großstadtdschungel Berlin leben. Steinzeitliche Säbelzahntiger? Fehlanzeige! (Mal abgesehen von imaginären Schlägertrupps, die dem katholischen Männer-Ex-Chef und ehemaligen Lektor der Päpstlichen Kongregation für die Glaubenslehre so überall und nirgends nachstellen.)

 Pegida-Wortschöpfungen gegen “Linke” am Tag des Dresdener Mordes

David Feddersen und Jan Berger, oder so...

David Feddersen und Jan Berger, oder so…

Nicht allein über die Publikationswege von taz, Hoffnungslospost und der trendy aufgemachten Homozeitschrift Männer spielen sich die sogenannten Islamkritiker ihre zynisch aufgeladenen Bälle gegenseitig von rechts zu, auch via öffentlichen Facebook-Posts schimpfen die beiden homophilen “Queeriban”-Kostverächter mit reaktionärer Vehemenz gegen queere Projekte und Inhalte. Diesmal hat sich Spendengelder-Jongleur Berger ganz dolle über eine neue geschmacklose, denunzierend verunglimpfende Wortschöpfung von Feddersen gefreut: “Heute gibts mein Lieblingswort des Tages”, kündigt der Schöneberger Demagoge an, der sich wie ein Kämpfer für die Meinungsfreiheit fühlt: “Es stammt von dem bekannten taz-Redakteur (wen sonst?) Jan Feddersen “Queer-Pegida”…”  Seinem verlautbarten Entzücken heftet Berger, der die Überlegenheit der katholischen Glaubenslehre gegenüber dem Islam propagiert,  einen Thread-Screenshot von Feddersens FB-Profil an und der Follower liest das: “Ich bin recht(s?) eigentlich seit langem der Auffassung (ach so), dass der Transgeniale CSD und seine Freund_***innen nichts ist als eine Art Queer-Pegida-Geschichte. Die Ablehnung aller bürgerrechtlichen Fortschritt(s), die Aversionen gegen Andersdenkende, der Verzicht auf Solidarität mit dem demokratischen Land Israel. Was soll es denn sonst sein?” Amüsant, als Querwerweis auf “verquere Gender-Ideologien”, sollen jedenfalls die Gender-Sternchen bei ‘Freundinnen’ rüberkommen, womit wohl der Kreuzberger CSD-Kooperationspartner, das alternative Neuköllner SchwuZ gemeint ist. Unheimlich lustig indes die Wortschöpfung “Queer-Pegida”, besonders an einem Tag, an dem im schwarz-braunen Sumpf  der Pegida-Hauptstadt Dresden ein Mord-Opfer zu beklagen ist. Der zusammengeschusterte Antisemitismus-Vorwurf im Subtext ist ebenso gewitzt im Berger’schen Sinne. Soll sich wohl auf die Tatsache beziehen, das beim Kreuzberger CSD keine Nationalfahnen erwünscht sind, was halt auch für die Flagge Israels gilt. Der in Berlin beheimatete israelische Jude Shahak Shapira hat für Islamophobe einen passenden Satz für ein SZ-Interview formuliert. Bei Rassisten sei das “Judenhassen aus der Mode gekommen, also beruft man sich auf das Judentum und nimmt sich jetzt die Muslime vor.“

Die sogenannten Islamkritiker wie der Mörder Breivik, der Demagoge Broder und Hetzer Berger suhlen sich derweil im Blut der Opfer von barbarische Taten von IS-Faschisten, nutzen die erschreckenden Horror-Nachrichten als Angelpunkt ihrer Hetzkampagne gegen Migranten in Europa. Unverfroren ruft der Männer-Chefredakteur via Facebook dazu auf, sich den rassistichen Pegida-Demos gegen die "Islamisierung des Abendlandes" anzuschließen

Pro Pegida-Aktivist Dr. David Berger peitscht die Stimmung gegen Muslime auf.

Über Reiserobby

Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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7 Kommentare zu Ist das Neuköllner SchwuZ antisemitisch?

  1. ellen miraux sagt:

    Der Text ist viel Meinung und wenig Argument. Obwohl auch ich die Thesen von Berger und Feddersen emotional nicht wirklich nachvollziehen kann, sind sie doch logisch. Ganz im Gegensatz zu dem tendenziösen Geschwurbel des Autors. Klassische Sektierertexterei. Das wir in Neukölln ein Antisemitismusproblem haben, besonders auch in “linken Kreisen” ist nun auch nichts neues.

    • Reiserobby sagt:

      Auch im Text bestreite ich keinesfalls, dass es in Deutschland ein Antisemitismus-Problem gibt, was ja wohl auch der Verweis auf den antisemitisch motivierten Gewaltakt gegen Shakan, ist ausführlich verlinkt, verdeutlicht.
      Argumente wider Demagogen anzubringen, ist wie gegen Windmühlen anzutreten. In diesem Post geht es um meine Meinung zum Queer-Pegida-Gerede. Dem Kreuzberger CSD und Freundinnen (Schwuz, Olfe, Südbloock) als Queer-Pegida zu bezeichnen, bedarf keinerlei Gegenargumentation. Das ist hanebüchen und schlicht ein Akt der Verleumdung. Aber so bierernst wollte ich den verbalen Dünnpfiff von Feddersen/Berger nicht nehmen. Das wertete den Rechtspopulisten und seinem Supporter Feddersen bloß unnötig auf.
      Hatten sie denn wenigstens ein bisschen Spaß beim Lesen?

  2. Klabund sagt:

    Ich habe Angst vor dem Islam – tralalalalala

  3. Wolfgang sagt:

    Unangenehm fällt mir in F.s Text das Gegeneinander-Ausspielen auf: kaum jemand würde die Existenz von Antisemitismus bestreiten und nicht für skandalös halten, dass es gefährlich ist in vielen Gegenden eine Kippa zu tragen. Sie behaupten aber, dass es “kein physisches Problem in Deutschland, sei, als muslimische Frau Kopftuch zu tragen.” Dabei kann das sehr wohl gefährlich sein, sogar zum tod führen, wie in Dresden geschehen. (http://kommentare.zeit.de/user/palistine66/beitrag/2009/07/05/quotislamistinquot-mit-18-messerstichen-im-dresdner-gericht-ermo). Die Beleidungen, die verächtlichen Blicke und Benachteiligungen, die mit dem Tragen des Kopftuchs verbunden sind, kennt der Autor am eigenen Leib nicht.
    Fast überall in Deutschland ist es nach wie vor riskant, wenn zwei Männer oder zwei Frauen verliebt Händchenhaltend herumspazieren oder sich küssen. Dieses nun gegen Kopftuch oder Kippa auszuspielen? Wie dumm wäre das!

  4. Wolfgang Brosche sagt:

    Wenn es in diesem Lande im Herbst,wie Berger prophezeiht, wieder gegen Schwule geht, dann wird daran nicht der Islam,sondern die Angst vor dem Islam schuld sein. Der Ruf nach Verschärfung des Blasphemieparagraphen, nach Einschränkungen von Meinungs-, Presse- und Satirefreiheit sind nur der Anfang.
    Natürlich ist der Islam eine ausgesprochen dumme und menschenfeindliche Religion(aber abgeschrieben vom frühen Katholizismus!!!) – aber noch immer herrscht im vom pegida beschworenen christlichen Abendland das Christentum; mögen sich auch noch so viele Menschen abwenden durchAustritt. Der Einfluß vor allem der Catholica ist mit Händen zu greifen.
    Daß Fundi-Kathliken und Evangelikale nicht mit gleicher Mordrunst wie die Muslime agieren, ist der säkularen Aufklärung zu verdanken, die sie zügelte. Die klammheimliche und nicht mehr ganz verhohlene Solidarisierung vieler katholischer und evangelikaler Kleriker mit den Pariser Attentätern spricht Bände.
    Malraux´ Prophezeiung vom christlichen/religiösen Erstarken im 21. Jahrhundert darf nicht Wirklichkeit werden.
    Der “Kampf gegen den islamistischen Terror” wird von den christlichen Verdummungs/Religionsführern ausgenutzt, um sich wieder in den den unmenschlichen Sattel zu schwingen.
    Herr Berger gehört zu den apokalytischen Reitern des Christentums!

    • Wolfgang Brosche sagt:

      Übrigens hatte ich zuBergers Islam-Kritikin der Huffington Post einen ähnlichen Tet geschrieben, der sich mit Bergers erzkatholischem Hitergrund beschäftigt. Er wurde bereits am Morgen gelöscht.
      Dabei war ich zugegebenermaßen nicht sehr freundlich was das thema Thomas von Aquin und die theolügische Notwendigkeit einer Promotion über ihn betrifft.
      Offenbar kontrolliert dieser Herr täglich das Intrnetnet zu Eintragungen über ihn – Eitelkeit zwecks Zensur!

  5. Pingback: Schwule Satire – ein Signal gegen Nazis und Faschisten | ReiseRobby.de

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