Als Zeuge der Anklage gegen Usama Z.

Alltag

Berlin stresst

Mit dem Fahrrad durch Berlin zum Prozess gegen den manisch-aggressiven Antisemiten Usama Zimmermann und zurück nach Neukölln. Ein Vormittag in Berlin. Text: Robert Niedermeier

Der Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den manisch-antisemitischen Demo-Troll Usama Zimmermann ist von öffentlichem Interesse. Eine Meute Justiz-Spanner ist, entgegen meiner Befürchtung, am 6. Oktober 2020 nicht zugegen. Nur wenige, höchstens fünf Zuschauer im Saal – mutmaßlich Journalisten. Zimmermann sitzt rechts im Raum, mit sehr wenig Abstand neben seinem Dolmetscher. Mit dem Rücken zu ihm sein Verteidiger. Ich nehme in der Mitte auf einem Stuhl vor einem Tisch Platz, nehme meine Mundnasen-FPP2-Schutzmaske ab. Von links erhellt die Vormittagssonne durch die Fensterseite den Gerichtsaal 306. Bin inmitten der weltweit grassierenden Corona-Pandemie als Zeuge geladen, weil ich im Mai 2017 “eine Begegnung”, sagt der Richter, mit Usama Zimmermann im U-Bahnhof Boddinstraße in Neukölln hatte…

Ekelhaftes Sammelsurium antisemitisch motivierter Hetze

Eigentlich tut mir Usama Zimmermann leid. Im Prinzip aber nicht. Seit November 2019 ist der Mann aus Ägypten, der über Heirat die deutsche Staatsbürgerschaft erlangte, in einer psychiatrischen Klinik zum Schutz der Gesellschaft weggesperrt. Richtiges Deutsch spricht der Angeklagte nicht. Als ich ihm bei unserer ersten Begegnung unfreundlich und wenig akkurat zu einem Widerruf seiner widerlichen politisiert menschenverachtenden Plakat-Parolen aufforderte, sagt er nur “Warum, warum, warum…” und schlug auf mich ein. Vor Gericht radebrecht der “Antizionist” etwas über Meinungsfreiheit. Widerspruch jedoch ist in der Welt von Zimmermann eine Attacke auf seine Meinungsfreiheit; und die Zionisten, das gibt Zimmermann vor zu glauben, seien die wahren Nazis. Das ist zum Kotzen. Als man man mir im Gericht eine Mappe mit Fotos von Zimmermann und sein Sammelsurium an Demo-Plakaten zeigt, rutscht mir, dann doch energisch, ein lautes “ekelhaft” heraus. Insgesamt werde ich mehr als eine gute Stunde von Schöffen, Richter, Staatsanwalt und Verteidiger befragt.

“Warum, warum, warum”, fragt Usama Zimmermann und schlägt gezielt zu

Dass ich damals Angst hatte, aufgrund meiner eigenen Vorstrafen, noch mehr Stress mit der Justiz zu bekommen, wenn ich den Angreifer brutal ausschalte, und stattdessen entschied, wegzulaufen und dann, weil Wegrennen bereits zwecklos, da zu spät, in die Hocke zu gehen, um eine betont defensive Schutzposition einzunehmen, bringt Zimmermann drei Jahre später vor Gericht in die Bredouille. Denn Usama Zimmermann schlug brutal auf einen am Boden kauernden und deutlich Kapitulation signalisierenden Menschen ein. Weder sein Anwalt, noch Zimmerman können da widersprechen. Bin ein bisschen stolz auf mich, das Reizgas, welches ich zum Schutz vor bekloppt aggressiven Kötern in Berlin stets bei mir führe, am 7. Mai in – wider meinem Drang zu Notwehr – überraschenderweise vernunftbegabt in der Hosentasche stecken ließ.

Doch bereits der Fahrradweg zum Landgericht in Berlin war an diesem sonnig-heiteren Vormittag kein reines Vergnügen….

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Robert Niedermeier, Journalist (Reise, Lebensart, Gesellschaft)
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